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Heimweh in Valparaiso

Fernweh geplagt bin ich oft und versuche dieses Leiden so oft wie möglich zu lindern. Heute aber freue ich mich über mein Heimweh! Ich vermisse meine Familie und mein Zuhause und bin glücklich, dass es so ist! Ich gehöre nicht zu den Zeitgenossen, die versuchen sich selbst woanders zu finden und sich doch überall hin mitnehmen. Für mich ist das Entdecken und Verlassen der Komfortzone genauso wichtig, wie das wieder Ankommen. Der Wechsel macht es aus. Und ich gehöre auch nicht zu denen, die nur weg von Deutschland wollen, weil bei uns ja alles so schimm ist. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich liebe meine Heimat! Wir leben in einem solch schönen Land! Sicher ist im Moment nicht alles gut, aber die Sicht von Anderen auf Deutschland zu erleben, lässt mich auch immer wieder die eigene Sicht auf meine Heimat neu bewusst machen. Immer kamen anerkennende Worte und Lob.

So sind die letzten 3 Tage in Valparaiso eher ein langsamer Abschied von diesem Kontinent. Ich mache einen Tag eine Ausfahrt in die südlich gelegene Laguna Verde und besichtige einen Tag die Stadt. Und ganz viel Zeit verbringe ich mit Schreiben, Fotos sortieren und Filme schneiden. Zuhause wird da wieder weniger Zeit für bleiben.

Valparaiso ist eine zwiespältige Stadt: in großen Teilen eine dreckige, laute, Hafenstadt, in Teilen der der Altstadt auf halber Höhe der Hügel mit wunderbarer Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert gesegnet. Leider sind nach meiner Einschätzung die meisten der Gebäude dem Verfall preisgegeben. Da wo renoviert wurde, finden sich aber wunderschöne Plätze mit toller Aussicht auf Hafen und Meer. Bekannt ist Valparaiso auch aufgrund der historischen Schrägaufzüge. Die sind auch wirklich sehenswert. Die in der ganzen Altstadt verteilten Graffitis sind zum Teil auch sehr schön anzusehen, oft aber auch nur Geschmiere, das den erbärmlichen Zustand der Gebäude nur teilweise kaschieren kann.
Bei meinem Tagesausflug zur Laguna Verde bemerke ich, dass die KTM beim Beschleunigen nur zögernd Gas annimmt. Ich befürchte schon wieder ein Motorproblem auf den letzten Metern. Aber weit gefehlt: es ist das Kettenritzel, das auf den 14.000 km Schotter und Dreck arg gelitten hat und fast rund ist. Zum Glück habe ich vor ein paar Tagen nicht noch eine Extrarunde in Bergen gedreht, das Ritzel hält sicher keine 500 km mehr aus. Morgen nochmal 90 km nach San Antonio, dann darf sich die Kati 6 Wochen lang im Schiffsbauch ausruhen...  :-)