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Wein und Wasserfälle: von Mendoza nach Iguazu

Mendoza ist eine Stadt ohne große Höhepunkte. Zwar gibt es in der Weinmetropole gute Cafés , Bars und Restaurants in Hülle und Fülle. Alte Architektur oder Kolonialbauten sucht man jedoch vergebens. Ein großes Erdbeben hat vor mehr als 100 Jahren die Stadt dem Erdboden gleich gemacht, leider ist von der alten Bausubstanz nichts mehr übrig geblieben. Dafür haben die Stadtplaner aber ausreichend Platz für Alleen eingeplant. In jeder noch so kleinen Straße in der Innenstadt stehen rechts und links Platanen und andere Bäume. Ich habe noch nie so eine grüne Innenstadt gesehen. Bei der Hitze, die hier im Sommer herrscht war das eine sehr gute Idee.

 

Wir verbringen einen Tag hier, um auszuruhen, zu waschen und einzukaufen, dann ist es aber auch gut und es geht weiter zu den Iguazu Wasserfällen. Diesmal aber nicht mit dem eigenen Moped, sondern mit dem Flieger. Flüge sind in Argentinien recht günstig zu bekommen, kein Wunder bei den Entfernungen, die die Argentinier in ihrem eigenen Land überwinden müssen. So zahlen wir hin und zurück nur 100 €, hatten über Airbnb eine günstige Unterkunft und verbringen 2 Tage an den Fällen in 2000 km Entfernung. Alles völlig problemlos und leicht zu organisieren. Außer, dass ich erst mal klar bekommen muss, dass ich jetzt in etwas über 2 Stunden 2000 km zurückgelegt habe. Auf der Straße wären das 8 Tage gewesen...
Mein Moped und den Jeep von Marion und Günther können wir sogar in der Unterkunft in Mendoza in der Garage kostenfrei stehen lassen, da wir nach unserer Rückkehr noch eine Nacht dort verbringen werden. Der Ausflug hat sich absolut gelohnt. Die Fälle liegen am Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay. Die Fälle selbst lassen sich auf der argentinischen und auf der brasilianischen Seite bewundern. Wir verbringen auch je einen Tag in den beiden Ländern und bestaunen diese Urgewalten. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, welche Gewalt und Kraft sich dort entfesselt. Der Fluß Iguazu dümpelt breit und langsam in seinem Flussbett, um sich von einer auf die andere Sekunde zu einem brüllenden Inferno zu verwandeln und riesige Gischtwolken gen Himmel schickt. Das Donnern, die Gischt und der Anblick purer Energie geht durch Mark und Bein. Die argentinische Seite ist wesentlich größer und mit tollen Stegen versehen, die durch den Urwald, über den Fluß und bis ganz nahe an die Abbruchkante führen. Wir spazieren ganze 7 Stunden durch den Park, bis wir wieder in Puerto Iguazu ankommen. Der Eintagesausflug auf die brasilianische Seite geht mit einem Taxi auch völlig problemlos vonstatten, zum Grenzübertritt müssen wir nicht einmal das Taxi verlassen und bekommen keinen Einreisestempel. Routine hier an der Grenze. Dafür ist das Betreten des Nationalparks dort eine Qual. Wir warten an einer über 200 m langen Schlange über eine Stunde, bis wir den parkinternen Shuttlebus erreichen und wir uns nach kurzer Fahrt auf den nur 1400 m langen Aussichtsweg machen können. Man bekommt auf dieser Seite einen besseren Überblick über die 25 Hauptfälle und 250 kleineren Wasserfälle, ist aber nicht so spektakulär nah dran wie auf der anderen Seite. Zumal die Menschenmassen zunehmend nerven. Viele verhalten sich so rücksichtslos, nur um ein Selfie zu machen, dass ich nach 3 Stunden froh bin, wieder zurück zu fahren. Trotzdem hat sich der Ausflug auf alle Fälle gelohnt. Es hätte was gefehlt, wenn wir dieses Weltwunder ausgelassen hätten. Am Tag des Abflugs haben wir noch ein paar Stunden Zeit und ich schlendere alleine durch Puerto Iguazu, um mir das Dreiländereck noch anzuschauen. Auf dem Weg entdecke ich dann noch einen kleinen, heimlichen Höhepunkt: eine verlassene, unter Denkmalschutz stehende Polizeistation, in deren Hof eine Unmenge alter Autos und Zweiräder stehen. Wahrscheinlich sind die alle mal beschlagnahmt und einfach vergessen worden. Was für ein toller Lost Place mit einer ganz besonderen Stimmung. Der Rückflug verläuft ohne Zwischenfälle und wir finden Wohnung und Fahrzeuge unversehrt vor. Überrascht hat mich allerdings, dass man auf dem Flug große Wasserflaschen mitnehmen durfte und auch die Cockpittür beim Einsteigen offen war. Bei uns undenkbar. Offensichtlich sind hier die Sicherheitsbestimmungen doch noch ein wenig anders.

 

Die 4 Tage waren eine willkommene Abwechslung zum täglichen Fahren, aber ich freue mich, morgen nicht in einem Taxi oder Flugzeug zu sitzen, sondern selbst wieder hinsteuern zu können wohin ich möchte!