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Zelte und Kondore über dem Colca Tal

 

Von Arequipa aus führt unsere weitere Route ja eigentlich nach Süden zur chilenischen Grenze. Das Colca-Tal mit den Kondoren, das wir aufgrund der technischen Probleme an der GS vorgestern nicht mehr anfahren konnten, liegt aber 200 km im Norden. Was also tun? Den 400 km Umweg fahren? Die Strecke soll über einen 4900 m hohen Pass führen und sich entlang aktiver Vulkane winden. Attraktiv genug, um zwei Tage zu investieren. Also los. Wir lassen uns beim Frühstücken Zeit und schrauben uns dann die Berge hoch. Die Strecke ist wieder sehr schön zu fahren und aufgrund des hohen Touristenaufkommens auch geteert und in gutem Zustand. In Arequipa schwitzen wir noch, doch mit jedem Kilometer wird es kälter und oben auf der Passhöhe zeigen sich wieder die altbekannten Symptome: Kälte und wenig Sauerstoff, was sich an der verringerten Leistung der KTM und an meinen Kopfschmerzen zeigt. Ich bin ganz froh, als sich die Straße wieder spektakulär ins Colca Tal nach Chivay hinunterstürzt und sich die Kopfschmerzen bei einem Burger und einer Cola bessern. Die restlichen 40 km führt uns die Route entlang des tiefen Colca Grabens und die Ausblicke sind spektakulär. Wir zelten 10 km vor dem offiziellen Eintrittshäuschen (wer hier als Ausländer hin will, muss 18 € berappen) etwas oberhalb der Straße an einem sehr schönen, einsamen Platz mit Top Aussicht. Die können wir allerdings nicht lange genießen, da es hier auf 3900 m schnell wieder eisekalt wird und so liegen wir schon um 19 Uhr in unseren Schlafsäcken. Diese Nacht ist es wieder etwas unter Null Grad und ich schlafe so schlecht wie noch nie in Südamerika. Vielleicht ist es die Höhe oder die Kälte? Jedenfalls kommt es mir vor, als hätte ich die ganze Nacht nur gedöst und bin um halb sechs wie gerädert. Da helfen auch die zwei Kaffee nicht. Heute morgen bin ich ausnahmsweise mal früher wach als Lars und schon deutlich früher fertig mit einpacken. Irgendwie habe ich so ein Gefühl, früh an dem Kondor-Beobachtungspunkt sein zu müssen und fahre schon eine halbe Stunde vor ihm los. Und mein Gefühl hat mich nicht im Stich gelassen. Ich sitze um 7.15 Uhr am Aussichtspunkt und nach 5 min schraubt sich ein Kondor direkt vor uns in der Thermik nach oben. Wieder ein Gänsehautmoment. Die Vögel wirken mit ihren 3 m Spannweite wirklich riesig! So wie alles hier, außer den Peruanern :-) Lars kommt dann später dazu und während der 3 Stunden, die wir dort sitzen und warten sehen wir noch mehrere Exemplare, aber sehr weit weg und bei weitem nicht so eindrucksvoll. Langweilig war es trotzdem nicht, die Aussicht in dieses spektakulär tiefe Tal war auch auf jeden Fall lohnenswert. Gegen halb elf brechen wir dann wieder auf nach Arequipa und esse dort noch etwas. Inzwischen ist es 15 Uhr und ich möchte nicht mehr weiter an die Küste fahren, da ich ziemlich alle bin und mir die Stadt auch besonders gut gefallen hat. Lars geht genau anders herum, er mag die Stadt nicht so und will noch Kilometer machen. Also trennen wir uns und verabreden uns für morgen an der chilenischen Grenze, um von dort dann weiter durch Bolivien nach Argentinien zu fahren. Ich buche mir ein schönes Hotel im centro historico und genieße zum zweiten mal die tolle Atmosphäre in der Altstadt. Morgen heißt es dann Adios Peru!