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Abschleppdienst bei Arequipa

 

Eine 14.000 km lange Tour durch die Anden zu fahren und zu erwarten, man kommt ganz ohne Panne durch, ist wohl etwas zu optimistisch. Auf dem Weg nach Arequipa hat es uns dann auch erwischt. Aber der Reihe nach: von unserem Bushcamping in Puerto Inca folgen wir der Panamerikcana nach Süden, um bei Camana dann in Landesinnere abzubiegen und noch eine Runde zum Colca Canyon zu machen. Erwartet hatten wir wieder eine langweilige Teerstrasse auf der wir Strecke machen können. Erlebt haben wir das Gegenteil. Aber erst nachdem Lars wieder einen Platten geflickt hat, der ihn kurz nach unserem Aufbruch um 9 Uhr ereilte. Die alte Stelle, in der er sich in La Paz einen Nagel eingefangen hatte ist wieder undicht geworden, ist aber schnell geflickt und hält diesmal hoffentlich länger. Die Panamericana ist auf diesem Streckenabschnitt in einem desaströsen Zustand, geschuldet der spektakulären Streckenführung entlang von Steilküsten, durch schroffes Felsgebiet, durch Sanddünen und entlang des Pazifikstrandes. Manchmal schlängelt sie sich auch die Berge hoch ins Landesinnere um dann wieder in Serpentinen zum Meer zurückzukehren. Eine tolle Strecke. Der Zustand ist dementsprechend schlecht, zum Teil Schlaglochpiste, manchmal nur Schotter und viele Baustellen. An einer ist die Warteschlänge ewig lange, an der Absperrung vorne steht schon gar kein Bauarbeiter mehr und die Leute schlafen zum Teil in zurückgelegten Sitzen in ihren Autos. Das sieht nicht gut aus. Wir haben keine Lust hier stundenlang zu warten. Nach 10 min an der Barriere kommt ein Mofafahrer durch die Baustelle gebraust. Wir schauen uns an und es ist schnell entschieden: wir versuchen auch durchzukommen. Also um die Barke herum und durchgefahren. Und es klappt. Die Strasse wird gerade neu geschoben und vermessen, die Arbeiter schauen schon etwas überrascht, aber keiner schimpft oder hält uns an. Nach 2 km sind wir durch und ich jubele unter meinem Helm und freue mich diebisch über das einspurige Reisen. An einer anderen gesperrten Baustelle weichen wir einfach auf einen parallel verlaufenden Feldweg aus und umfahren das ganze Dilemma. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie lange das mit einem Auto gedauert hätte...

 

In Calama geht’s dann wieder ins Inland und wir schrauben uns die sehr vernebelten Berge hoch bis Majes, um dort auf der Routa 109 Richtung Colca Canyon zu fahren. Von hier sind es noch 160 km bis zum Canyon und den Kondoren. Und was wartet da: schönste Wellblechpiste mit Kies und manchmal Sand. Mein Lieblingsbelag. Wir schaffen noch 35 km und finden dort auf einem Hügel etwas abseits der Straße den bisher schönsten Campingspot mit einer tollen Aussicht. Wunderbar dort mit einem Teller Pasta mit Tomatensoße und einem Gläschen Rotwein zu sitzen und ins Tal zu schauen. Ich genieße den Abend und die Ruhe sehr. Am nächsten Morgen ist dann Schluß mit lustig. Das Wellblech dämpft die gute Laune morgens um 7 doch um einiges. Und es kommt noch schlimmer: kurz nach unserem Aufbruch fahre ich hinter Lars und er bleibt plötzlich stehen und gestikuliert wild mit den Armen. Was ist los? Die GS ist ausgegangen, einfach so. Und das ausgerechnet hier. Schei...benkleister. Er schaut die Benzinschläuche und den Luftfilter nach, keine Veränderung. Zum Glück hat er ein Diagniosegerät dabei und das meldet Kraftstoffpumpe. Gut, dann wissen wir schon mal was es ist. Wir bauen Tank und Pumpe aus und finden ein abgerissenes Kabel an der Pumpe. Die hat also keinen Strom mehr, eigentlich ein einfaches Problem. Nur, dass das eine Quetschverbindung war und wir das Minikabel nur provisorisch mit Klebeband und Labelbinder befestigen können. Es klappt aber! Ich lasse einen Jubelschrei los, als der Motor wieder läuft. Also Motorrad wieder aufgerödelt, inzwischen ist es 11 Uhr und die Kondore können wir für heute vergessen. Dann der Tiefpunkt: die GS geht nach 10 m wieder aus. Hat also doch nicht gehalten. Was für ein Mist, ich bin in dem Moment echt gefrustet. Kein Auto hier weit und breit, also müssen wir in den sauren Apfel beißen und abschleppen. 35 km über Wellblech, Sand und Kies. Was für ein Spaß. Mit einem Spanngurt an meiner linken und seiner rechten Fußraste schleppe ich ihn im ersten und zweiten Gang mit 20 km/h bis Majes. Leider haben wir das Intercom aus Sicherheitsgründen an und Lars muss meine Flucherei mit anhören. Bis auf einen Sturz schaffen wir es in das Städtchen und bis cor eine Mopedwerkstatt. Zum Glück nur 35 km und nicht 350! Das war körperlich sehr anstrengend und auch mental, weil man in jeder Sekunde konzentriert sein muss und auf Straße und das Abschleppband achten muss. An der Werkstatt gibt’s erst mal ein Bier, es ist nämlich auch noch an die 30 Grad! Die Leute dort waren super nett, haben eine Lötpistole und Lars lötet fix das Kabel neu an. Gerettet! Gut, dass er als gelernter Mechaniker solche Dinge gut reparieren kann. Respekt! Vor dem Abschied gibt’s natürlich die obligatorischen Fotos, viel gelächter und erleichterte Gesichter. Auch in dem restaurant, dass wir danach ansteuern und uns ein Steak gönnen, sind die Leute total aufgeschlossen und kontaktfreudig. Das tut so gut. Ausgerechnet hier, im Hinterland in einer Arbeiterstadt ohne Tourismus sind die Leute unvoreingenommen und wollen Kontakt und nicht nur dein Geld wie in Ica. Krasser Kontrast!
Wir beschließen, heute nur noch die 140 km Teer nach Arequipa zu fahren und dort zwei Tage zu bleiben. Danach sehen wir dann, ob wir noch zu den Kondoren am Colca fahren oder nicht.

 

Die Tage in Arequipa entpuppen sich als wunderbar: wir haben ein klasse Hotel mit Pool, großen Zimmern und gutem Frühstück, die Stadt ist wunderschön und hat eine entspannte Atmosphäre. Die weißen Kolonialbauten erinnern an Sucre, es gibt sogar Fußgängerzonen in der Altstadt, wunderschöne Gassen, Restaurents und Bars auf Dachterrassen und grünen Plätzen. Und es ist überall sauber. Eine Wohltat für die Augen. Ich genieße jede Stunde dort und gehe auch mal zu einem Friseur, um für 3,20 € wieder eine campingtaugliche Kurzhaarfrisur verpasst zu bekommen. Fürs Motorrad bekomme ich auch Kettenöl und einen der hier üblichen Sitzbezüge, die ich mal ausprobieren will. Auch hier im Laden komme ich kaum weg, weil alle alles wissen möchten vom deutschen Motorradreisenden. Nachmittags wird noch eine Runde geschwommen und abends auf einer Dachterasse an der Kathedrale noch ein Cerviche genossen. Der Abend wird perfekt gemacht, als wir zufällig in einem Innenhof in ein Konzert stolpern: die Big Band der Uni spielt dort klassische Musik. Und das Querbeet, von Queen Songs bis Rumba. Die Leute sind begeistert und wir auch!
Was für eine tolle Stadt!