· 

Ernüchterung in Ica an der Huacachina Oase und in Nazca

Vor so einer langen Reise macht man sich ja in der Regel eine Liste der Orte, die man gerne sehen will. Die Riesendünen und die Oase Huacachina bei Ica und die nahegelegenen Nazcalinien kamen bei der Reiseplanung auf die Liste. Um es vorweg zu nehmen: den Weg vom Machu Picchu dorthin hätten wir uns sparen können. Nach meiner Vorstellung keine 1000 km Umweg wert. Der Weg dorthin war mal wieder bemerkenswerter als das Ziel selbst. Nach der positiven Überraschung beim Machu Picchu war das hier eher das Gegenteil. Huacachina ist eine kleine Oase in zugegeben riesengroßen Dünen, aber völlig touristisch ausgeschlachtet. Der Ort ist aufgrund von Übernutzung sogar vor einigen Jahrzehnten trockengefallen und der See inmitten der Oase wird künstlich erhalten. Drumherum sind Hostels, Buden, Cafes, Retaurants, Anbieter von Dünentouren, und Sandboarden, etc. Wir rollen noch mit den Motorrädern rein und werden schon im Fahren von den Neppern bedrängt, werden vom Polizisten verscheucht, weil wir falsch an der Straße parken und sind einfach nur genervt. Da Lars die Sahara und ich die Namib gut kenne sind wir abgrundtief enttäuscht. Die Bilder sehen sicherlich schön aus, es war aber ein überfülltes, seelenloses Erlebnis. Nach eineinhalb Stunden machen wir uns wieder auf den Weg in die Stadt nach Ica mit der Gewissheit, dass wir von Machu Picchu besser direkt nach Süden zum Colca Canyon gefahren wären, statt diesen Ort zu besuchen. Na gut, das gehört eben auch dazu. So nutzen wir den Tag, um unsere Vorräte aufzufüllen, Gaskartuschen im Baumarkt zu kaufen, die Mopeds zu warten. Ich fahre dann nochmal alleine in die Stadt, um im Starbucks einen Cappucino zu trinken. In diese Kette gehe ich zu Hause so gut wie nie, hier aber der Garant für leckeren Cappucino. Was in Peru echt nicht so leicht zu bekommen ist, hier ist Pulverkaffee eher der Standard. In dem Laden spricht mich ein Peruaner aus Lima an, der mit seinen 3 Kindern da ist. Über den Helm hat er mich angesprochen, ob ich mit dem Moped unterwegs bin. Wir kommen mit unseren Übersetzungsapps ins „Gespräch“ und er zeigt mir gleich klassisch seine zwei Motorräder, 4 Autos und seine Yacht. Kein Witz! Er gehört als Unternehmer mit mehreren Geschäften der Oberschicht an und zeigt gern was er hat. Trotzdem war Juan nicht prahlerisch oder angeberisch. Es war irgendwie normal und er hatte eine Art kindliche Freude, seine Spielzeuge zu zeigen. Ich zeigte eher Bilder von meiner Heimat, dem Mittelrheintal und meiner Familie (und natürlich meiner KTM 990 SMT, ist klar!)

 

In diesem Teil der Welt ist es wohl so wie in Afrika, wo man auch gerne zeigt, was man sich erarbeitet hat. Trotz des immensen Einkommensunterschieds nehme ich hier nicht sowas wie Neidkultur wahr, soweit ich das als flüchtig Durchreisender beurteilen kann. Er erklärt mir auch, dass er als Kind nur Quetchua gesprochen hat und spanisch erst in der Schule gelernt hat. Die Stunde vergeht wie im Flug und ich bin dankbar, dass ich wenigstens einen kleinen Einblick und Kontakt zu einem Peruaner bekommen habe. Durch die Sprachbarriere fühle ich mich schon sehr eingeschränkt, was das Kennenlernen anderer Leute hier angeht.
Auf dem Weg nach Süden Richtung Arequipa kommen wir auch an Nazca vorbei und konnen die rätselhaften Scharrbilder von zwei Aussichtstürmen bewundern. Irgendwie spannend, aber doch auch recht unspektakulär. Einen Flug über das Gebiet wollen wir nicht machen, dafür erscheint uns das Ganze nicht reizvoll genug. Die Aussichtstürme müssen reichen. Dafür gibt’s ein leckeres Ceviche (Peruanisches Fischreicht) in Nazca und wir beraten den weiteren Weg: wir können durch die Berge zum Colca Canyon fahren und entlang der Küste. Ein Blick auf die Wetterapp entscheidet dann den Abwägungsprozess sehr schnell: in den Bergen ist wieder Gewitter- und Regenzeit. Da haben wir nach der letzten Woche absolut keine Lust mehr drauf und einigen uns auf die Route entlang des Pazifik. Dank i-overlander finden wir auch einen klasse Campspot in den Hügeln kurz vor Puerto Inca mit Blick aufs Meer. Und vorallem: warm, ruhig, trocken, ohne Mücken. Perfekt.

 

Ab heute geht es nun wieder nach Süden. In Arequipa müssen wir entscheiden, ob wir nochmal nach Bolivien einreisen können, um La Paz nachzuholen, oder ob wir direkt nach Chile zurück müssen und von dort nach Argentinien. Der bolivianische Präsident Evo Morales ist gestern zurückgetreten und zur Zeit herrscht ein Machtvakuum. Noch ist alles offen, wie es in dem Land weitergeht. Wir werden sehen...