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Auf den Spuren der Inka - von Cusco zum Machu Picchu

 

Gestern Abend habe ich mich entschieden, doch mit zu Machu Picchu zu fahren. Da seit 2 Jahren die Tagesbesucherzahl auf 800 begrenzt ist und man auch zeitspezifische Tickets kaufen muss, wird der Besucherandrang überschaubar bleiben - hoffe ich. Wir buchen uns online ein Ticket für 12 Uhr, das sollte eine gute Zeit für uns sein, um von Santa Teresa dorthin zu gelangen. Billig ist der Spaß nicht, 65 € haben wir nur für das Ticket bezahlt. Hinkommen ist auch nicht so einfach. Zum Talort Aquas Calientes, von dem ausgehend man zum Machu Picchu kommt, führt keine Straße. Man muss also entweder einen sündhaft teuren Zug von Cusco nehmen (dreistelliger Eurobetrag!) oder man nimmt die lange Anfahrt durch das Heilige Tal der Inca bis nach Santa Teresa in Kauf und läuft dann von der Hydroelectrica (einer Wasserkraftanlage) zwei Stunden zu Fuß nach Aquas Calientes. Wir nehmen natürlich Variante 2!
Auf dem Weg zum heiligen Tal schauen wir uns noch die Salzterrassen von Maras an. In einem engen Tal wurden kunstvoll ca. 2000 Wasserbecken angelegt, die zur Salzgewinnung genutzt werden. Beeindruckende Anlage, die heute noch instand gehalten und genutzt wird.

 

Nächster kurzer Stop ist Ollantaytambo, eine nette kleine Stadt mit einer beeindruckend großen Inka Festung. Lange können wir uns hier aber nicht aufhalten, denn bis Santa Teresa sind es noch 140 km und das Navi zeigt noch 3,5 Stunden an. Mit dem was uns dann erwartet, haben wir allerdings nicht gerechnet: Das heilige Tal der Inca ist ein sehr enges Tal, in dem sich die perfekte Teerstraße über hunderte Kehren sage und schreibe 120 km lang windet. Nach zweieinhalb Stunden sind wir fast besoffen von dem ständigen Kurvenfahren. Dabei war der Aufstieg zum Pass noch herrlich trocken und warm und wir lassen es richtig fliegen. Oben am Pass ist die Wetterscheide und die Nordseite erwartet uns mit Regen und Nebel. 10 Grad ist es hier, unten haben wir bei fast 30 Grad geschwitzt. Innerhalb von einer guten Stunde haben wir 2500 Höhenmeter gemacht und sämtliche Klimazonen durchfahren. Toll! Der Nebel ist dann auch nur über 3000 m da und unten schwitzen wir wieder in unseren Motorradklamotten. Die letzten 35 km nach Santa Teresa erwartet uns dann wieder Schotter, die Straßenführung auch wieder spektakulär mitten im Hang. Rechts die Wände senkrecht nach oben, links hunderte Meter hinab bis zum Fluß. Absicherung durch Mauern oder Leitplanken? Fehlanzeige. Ein 30 cm hoher Sandwall muss genügen.

 

In Santa Teresa finden wir ein gutes, günstiges Hotel (im Zweibettzimmer 9 €/Person) und freuen uns auf den Machu Picchu. Nachts kommt allerdings ein großes Gewitter runter und wir haben ein wenig Sorge, ob wir morgen auch was sehen...

 

Diese Sorge werden wir auch beim Frühstück nicht los, denn die Gipfel hängen voll mit wassergeschwängerten Wolken. Was soll´s, hilft ja nix, hoffen wir das Beste. Wir nehmen ein Taxi zum Wasserkraftwerk Hydroelektrica und laufen dann 2 Stunden entlang der Bahngleise zum Einstieg des Machu Picchu. Ein Zug fuhr in dieser Zeit leider nicht, also laufen. Auf der schönen Strecke entlang des Flusses umrundet man quasi den Berg Machu Picchu. Am Ende, kurz vor Aquas Calientes wartet dann noch der finale Aufstieg, 450 Höhenmeter bis zum Eingang. Der Aufstieg in den steilen Felsen ist auch ein Erlebnis: die Stufen und Treppen sind so steil, dass man sich vorkommt wie Frodo und Sam aus „Herr der Ringe“ beim Aufstieg am schwarzen Tor von Mordor.

 

Schließlich ist es geschafft und wir dürfen um kurz nach 12 rein. Einen offiziellen Führer brauchen wir allerdings nicht, obwohl es auf der offiziellen Seite als obligatorisch angegeben wird. Umso besser! Schon kurz mach dem Eingang gehen wir links auf eine Hügel und plötzlich erscheint vor uns genau dieses Postkartenmotiv, das jeder kennt. Wow, Gänsehaut! Wir haben es geschafft und es sind auch keine Wolken mehr da, besser noch: nach 20 Minuten kommt sogar die Sonne raus. Wir sind happy! Die ganze Anlage ist wunderbar und besticht durch die Lage auf 2500 m Höhe zwischen zwei Berggipfeln. Die Besucher verlaufen sich auch ganz gut auf dem großen Gelände, sodass auch Muße da ist, sich mal einen Moment hinzusetzen und das ganze Szenario und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Einfach toll! Es gibt ja Reiseziele, die enttäuschen einen und es gibt Ziele, bei denen die Erwartungen nicht so hoch sind und die einen überraschen. Das hier ist so einer. Mein Fazit: wer in Peru ist, muss ich diesen Ort anschauen. Seine Mystik entfaltet der auch sicher deswegen, weil der Sinn und Zweck der ganzen Anlage aus dem 15. Jahrhundert im Verborgenen liegt und natürlich aufgrund der Baukunst der Inka. Wie die diese Steine so exakt behauen und bearbeitet haben, ist ein Rätsel. Wir lassen uns gute 3 Stunden durch die Anlage treiben und genießen es. Dann geht’s zurück: Lars fährt wegen seinem lädierten Knöchel mit dem Bus runter, ich laufe die Stufen wieder hinunter und brauche nur 20 min und wir kommen gleichzeitig an der Haltestelle an. Der Rückweg zur Hydroelectica entlang der Gleise macht dann nur noch wenig Spaß. Gut, dass dort noch Taxis warten und wir um halb sechs die 10 km nach Santa Teresa zurück fahren können. Insgesamt waren wir von halb neun bis halb sechs nonstop auf den Beinen. Ich bin trotz Blasen an den Zehen glücklich, dass wir dieses Weltwunder im Sonnenschein erleben durften und werde diesen ersten Anblick sicher nie wieder vergessen.