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Flucht aus La Paz - ab zum Titicacasee!

Flucht aus La Paz - ab zum Titicacasee!

Nachts um 2.30 Uhr aufstehen, gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Leider mussten wir schon um 3 Uhr aus der Stadt raus fahren, damit der Taxifahrer, der uns vorausfährt und als Ortskundiger im Fall der Fälle umleiten kann, wieder rechtzeitig vor 5 Uhr nach Hause kommt. Dann nämlich gehen die Blockaden weiter. Nachts soll angeblich alles frei sein. Ganz schön mulmiges Gefühl, aufs Moped zu steigen, uns von unseren großartigen Gastgebern zu verabschieden und durch die leere Stadt zu fahren. Alles klappt zum Glück reibungslos, am Stadtrand entlässt uns der Taxifahrer nach einer Stunde in die Dunkelheit. Müdigkeit verspüre ich nicht, es ist genug Adrenalin im Blut, um die nächtliche Abfahrt zu überstehen. Hoffentlich beruhigt sich die Lage in den nächsten 4 Wochen, wir würden gerne nochmal diese verrückte Stadt besuchen wollen.
Das Ziel für heute morgen ist die 80 km entfernte Stadt Tiawanacu und die gleichnamige Inca-Ausgrabungsstätte. Weltkulturerbe und eine der wichtigsten kulturhistorischen Stätten Boliviens. Der Weg dorthin ist dunkel und kalt - sehr kalt. Bei knapp über null schleichen wir durch die Dunkelheit. Im Dunkeln zu fahren ist eine Tortur: ständig Angst vor Schlaglöchern, unbeleuchteten Verkehrsteilnehmern, Tieren auf der Strasse und man fährt irgendwie zeit- und orientierungslos durch die Dunkelheit. Nicht empfehlenswert. Wir kommen völlig durchgefroren um 5 Uhr an der Museumsstätte an. Öffnungszeit ist erst um 9.00 Uhr. Also schnell auf dem Busparkplatz das Zelt aufbauen und bis 9.00 Uhr in den warmen Schlafsack eine Runde schlafen. Als wir aufwachen herrscht reges Treiben um uns herum: Hunde, Busse mit Schulklassen und Touris treiben Richtung Eingang, zum Glück nimmt niemand Anstoß an unserem komischen Zeltplatz. Die Ausgrabungsstätte selbst ist eher enttäuschend. Für Historiker bestimmt der Knaller, viel zu sehen gabs für uns Laien aber nicht. Dazu kommt noch ein 6 fach höherer Eintrittspreis als für Einheimische. Das ist schon unverschämt viel mehr. Naja...
Gegen Mittag gehts weiter an den Titicacasee. Da die normale Route wieder über La Paz führt, schlängeln wir uns 80 km über kleine Schotterstrecken Richtung See und werden von niemandem angehalten. Die Leute auf dem Land haben viel zu sehr damit zu tun, ihr Tagwerk zu verrichten und den Lebensunterhalt zu sichern. Wir passieren Schafherden, Menschen, die mit Ochsen ihr Feld bestellen und viele Menschen, die pflanzen und säen. Wir werden kaum eines Blickes gewürdigt. Das ist mir hier in Bolivien auch aufgefallen: die Menschen sind scheu, zurückhaltend und stoisch. Keine Neugier, kein Lachen, sehr zurückgezogen bis gleichgültig. Selbst in den Städten interessiert es kaum jemanden, wenn du einen kleinen Laden betrittst. Fast alle starren auf ihr Handy und man muss die Leute schon ansprechen, um eine Reaktion zu bekommen. Sehr unangenehm. Das bin ich aus Afrika anders gewohnt. 

Bis zur Grenzüberschreitung morgen begegnen wir zum Glück keinen weiteren Blockaden. Dafür wird kurz vor dem See nochmal unsere Toleranzgrenze geprüft:
ich muss tanken und bekomme erstmals in Bolivien keinen Sprit an der Tanke - Ausländer bekommen hier nichts. An der Zweiten versuche ich es gar nicht mehr mit dem Moped, sondern gehe gleich nur mit meinem Kanister hin. Erst will der Tankwart mir auch nichts geben, ich bleibe aber an der Zapfsäule stehen, bis er mich dann nach 10 min doch bedient. Das verstehe wer will... Im Ort bekommen wir dann auch kein Geld am ATM mehr, weil der Geldautomat kaputt ist und Lars hat als Zugabe seinen zweiten Platten. So langsam bin ich genervt! Der Platten ist aber schnell geflickt und es geht weiter. Je weiter wir uns von der Stadt entfernen, desto besser fühle ich mich.
Zum Glück wendet sich das Blatt als wir den See und den "Geheimtipp" von Ellen und Markus ansteuern. Das "Casa Relax" ist ein ehemaliges Klostergehöft, wunderschön gelegen und wir sind auch noch die einzigen Gäste. Wir werden herzlich mit Tee und Gebäck begrüßt und genießen das ruhige, beschauliche Ambiente. Hier heißt es: nomen est omen!
Den Sonnenuntergang erleben wir auf einem einsamen Hügel mit Blick auf den See und die dahinterliegenden 6000er. Der Wind pfeift und die Berge glühen am Horizont feuerrot! Hier könnte ich noch stundenlang sitzen und auf den See starren. Aber irgendwann wird es zu kalt und wir müssen zurück.
Zum Abendessen gibt´s lecker Hausmannskost am offenen Kaminfeuer: Brokkolisuppe, Cordon bleu und Kartoffelpüree. Klasse!
Danke sehr für den Tipp Ellen und Markus!!
Um 9 Uhr liegen wir völlig fertig in den Betten. Morgen gehts weiter über die Grenze nach Peru. Dann dürfte die Reiseplanung erst mal wieder einfacher werden. Gute Nacht!