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Salz auf unserer Haut - Salar Uyuni

11.000 Quadratkilometer, 140 x 110 km im Ausmaß, an der tiefsten Stelle 120 m tief und mein Topziel auf dieser Reise:
Der Salar Uyuni.
Die nackten Zahlen drücken nicht im Ansatz die Magie dieses Ortes aus. Ich schaue mich auf der Fahrt mehrmals um und muss mir immer wieder bewusst machen, welch ein spektakulärer, unglaublicher Ort das hier ist. Mangels Orientierungspunkten fährt man wie durch ein unendliches, gleißendes Weiß, nur gegliedert durch die Spuren der Touri Jeeps, die hier aufkreuzen. Zeitlose, weiße Weite!
Als wir an unserem (wegen der Wahlen, unfreiwilligen) vierten Tag in Uyuni  aufbrechen, bin ich schon sehr gespannt, was uns erwartet. Wir fahren 25 km am Rand des Salzsees auf einer normaler Strasse nach Colchani, um dort nach links auf der Salzpiste den Salar zu befahren. Vorbei an dem berühmten Salzhotel folgt nach kaum 20 km der erste Stopp. Das Dakar Denkmal aus 2016, als die Ralley Dakar hier in Bolivien stattfand, ist der erste Hotspot für die Touristenjeeps und natürlich auch für uns. Wir haben Glück, nach 10 min fahren alle 10 anwesenden Jeeps mit ihren je 6 Insassen weiter. Das ist das Los der Pauschaltouristen, immer enger Zeitplan und weiter zum nächsten Hotspot. Fotos machen und weg. Gruselig! Wir haben nach dem Ansturm ausgiebig Zeit, Fotos zu machen und die Atmosphäre dieses Ortes aufzusaugen. Vor meinem inneren Auge läuft der Ralleyzirkus ab, der hier vor 3 Jahren stattfand. Nicht jedermanns Sache, aber ich hätte das gerne mal live erlebt.
Dann gehts weiter zur Mitte des Salar, der Kakteeninsel "Isla Incahuari". Die Insel ist mit bis zu 1200 Jahre alten Säulenkakteen bewachsen und die Natur absolut beeindruckend. Leider bedeutet das auch, das hier alle Touranbieter haltmachen und die Infrastruktur vorbildlich ist: Toiletten, Eintritt zahlen um die Insel betreten zu dürfen, Picnicplätze.... nix für uns. Glücklicherweise hat ein Freiund von Lars, der in La Paz lebt, uns einen Tipp gegeben: die kaum 30 km entfernte Fischinsel (heißt wohl so wegen ihrer Form) liegt außerhalb der Touranbieter-Routen und ist absolut einsam. Dort wollen wir die Nacht verbringen und natürlich den Sternenhimmel bestaunen.

Schon die Fahrt dorthin ist magisch: die Spuren werden weniger, der See spiegelglatt und gleißend weiß, wir fliegen förmlich über das Salz. Lars erreicht Spitze 150, ich begnüge mich mit 120 km/h.

Die Fischinsel hält was sie verspricht: ein schöner, flacher Sandstrand, ideal fürs Zelt, Berge mit Kakteen und völlig einsam. Da wir schon um 14 Uhr ankommen, bleibt genug Zeit, das Zelt aufzubauen, einen gemütlichen Kaffee zu machen und die absolute Stille auf uns wirken zu lassen. Die Abwesenheit von Geräuschen (es ist windstill) und die reizarme Umgebung beim Blick auf die Salzfläche haben eine ganz besondere Wirkung. Geerdet ist für mich das richtige Wort. Toll!

Am späten Nachmittag erklimme ich noch eine Bergspitze, ca. 150 m hoch und mit Felsen und riesigen Kakteen gespickt. Eine wunderbare Kraxelei in wundersamer Umgebung. Nirgens sonst habe ich dieses Szenario mal erleben dürfen, es packt mich zeitweise so sehr, dass ich Gänsehaut bekomme. Dass diese Säulenkaktee, die vom Ausmaß eher Bäumen gleichen bis 1200 Jahre alt sind, ist irgendwie nicht fassbar. Gegen Sonnenuntergang frischt der Wind dann auf und pfeift durch die langen Stacheln der Kakteen, das hört sich an, als würden sie sich was erzählen.
Als ich nach über 2 Stunden Wanderung wieder zum Zeltplatz komme, sind Marion und Günther mit ihrem Jimnay auch eingetroffen und wir machen zu viert ein schönes Dinner mit Nudeln in Tomatensauce ;-)
Die Temperaturen sind auch noch ok und bewegen sich bei ca. 5 Grad, sodass wir bis 22 Uhr gebannt den Sonnen untergang und das Erstrahlen des Sternenhimmels sehen können. Bei dermaßen wenig Lichtverschmutzung und auf 3600 m Höhe ist der Himmel so voll mit Sternen und die Scheibe der Milchtraße so deutlich zu sehen, wie an wenigen Orten der Welt. Lars macht mit seiner professionellen Ausrüstung spitzen Fotos. Die Nachtaufnahmen sind alle von ihm. Danke dafür! Trotzdem ist mir dann irgendwann der warme Schlafsack lieber...

Zum Sonnenaufgang gehts wieder raus und die ganze Szenerie wird von der anderen Seite beleuchtet. Und es wird schnell wieder angenehm warm. Die Temperaturextreme sind wirklich heftig hier auf dem Salz. Auf dem Rückweg machen wir noch die obligatorischen Juxbilder, die aber ziemlich schwierig zu schießen sind, weil man mit der Tiefenschärfe spielen muss. Und es ist so hell, dass man die Displays fast nicht ablesen kann.
Der Salar und die Fischinsel hat uns dermaßen begeistert, dass wir beschließen, auf dem Rückweg von Peru nochmals hierher zu kommen.
Wir beschließen auch, nicht noch eine Nacht in Uyuni zu bleiben und starten nach einer ausgiebigen Motorradwäsche zur Bergbaustadt Potosi. Obwohl es schon 15 Uhr ist (bis wir gegessen und getankt haben) brechen wir auf.
220 km beste Teerstrasse und wunderschöne Vulkanlandschaften erwarten uns.
Vom Weg dorthin, den Städten Potosi und Sucre und wie die Präsidentenwahl unsere Tour beeinflusst dann im nächsten Beitrag.