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Uyuni hat uns lieb!

Uyuni hat uns so lieb, dass es uns gar nicht mehr gehen lassen will. Aus geplanten 2 Nächten wurden 4. Zuerst regnete es am geplanten Abreisetag und bei Regen wollten wir nicht auf das Salz. Dann kommt Sonntag, der Wahltag mit der Präsidentenwahl. Beim Frühstück erfahren wir vom Hostelbesitzer, dass am heutigen Wahltag kein Auto, Motorrad oder LKW fahren darf. Aus Sicherheitsgründen. Also bleiben wir noch eine Nacht in unserem schnuckeligen Hostel und waschen, schreiben, schlafen, telefonieren.
Nach den Strapazen der Lagunenroute genießen wir die Annehmlichkeiten eines Hotels! Schlafen bei angenehmen Temperaturen, ohne Wind und Sand hat was! Und morgens erscheinen wie von Zauberhand Menschen, die dir das Frühstück machen und man sich einfach so einen Kaffee holen kann. Unglaublich :-)
Zu Hause würde man über den bolivianischen Standard aus dem Meckern nicht mehr rauskommen, hier kommt mir das alles gerade wie der pure Luxus vor.

Wir lassen uns einen Tag durch die nicht wirklich schöne Stadt treiben und besuchen den Markt und die gar nicht so kleine Fußgängerzone, besuchen ein Fussballspiel in einem kleinen Stadion mitten in der Stadt, schauen dem Gewusel auf einem Schulhof während der Pause zu und bestaunen das Aussehen der Menschen hier. Geprägt von den Umweltbedingungen und der Höhe haben die meisten eine dunkle, ledrige Haut und sind auch viel kleiner als wir. Alte Damen mit den typischen Melonen auf dem Kopf machen die ganze Szenerie so richtig exotisch. Das Stadtbild ist schon ganz anders als in Chile. Ich genieße diesen Pausentag sehr, zumal wir uns auch um die Mopeds kümmern und die Ausrüstung sauber machen. Überall hat sich dort nämlich feinster Staub reingesetzt. Die KTM hat in der Höhe und unter härtesten Bedingungen klaglos alles mitgemacht und nur eine Schraube an der Frontverkleidung verloren. Auch der Leistungsverlust in der Höhe war verschmerzbar. Top. Komisch nur, dass seit einer Woche die gelbe FI Anzeige leuchtet und ich nicht weiß, welchen Fehler der anzeigt. Zu merken ist jedenfalls noch nichts. In La Paz muss ich mal zum Händler und den Fehlerspeicher auslesen lassen.
Marion und Günther in ihrem Suzuki Jimney treffen wir abends auch noch und gehen mit Ihnen essen. Sie sind mit ausgefallenem Allrad auch die Lagunenroute gefahren und haben auch interessante Geschichten zu erzählen.

Am nächsten Tag wechseln wir in ein günstigeres Hostel und besichtigen am Mittag den Eisenbahnfriedhof in der Nähe von Uyuni. Für mich als Lost Place und Eisenbahnfan ein absolutes Muss! Leider kommen wir genau in der Zeit an, in der ca. 35 Ausflugsjeeps auch da sind und mit ihnen geschätzte 150 Touristen. Das ist nix für mich und wir bleiben nur kurz um einen Eindruck zu bekommen. Da wir ja ungebunden sind komme ich ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang nochmal hierher und habe das ganze Gelände bei Superlicht für mich allein. Gigantisches Erlebnis, ich packe Handy, Fotoapparat und Drohne aus und Filme was geht. Die Atmosphäre ist einfach klasse, kein Vergleich zur Mittagszeit! Ich bin so froh, dass man mit dem Motorrad genau das machen kann und nicht in irgendwelchen Touristenbussen und festen Zeiten gefangen ist.

Die Fahrpause am Wahltag kommt dann eher ungelegen, aber dank Internettelefonie ist es auch schön, mal wieder mit Familie und Freunden zu quasseln, Blog zu schreiben und Bilder zu bearbeiten. Was ist das ein Unterschied zu Reisen in den 90ern. Da war man einfach weg, heute ist man durch die Kontaktmöglichkeiten immer noch ein Stück zu Hause - sofern man das will. Ich freue mich jedenfalls meine Kinder und meine Frau zu sehen!

Am nächsten Tag schreiten wir frohgemut zum Frühstück, um auf den Salar zu fahren. Das Wetter ist perfekt, wir sind ausgeruht und wollen nach 3 Tagen endlich los... es ist Sonntag und erfahren, dass heute Wahltag  ist. Bolivien wählt einen neuen Präsidenten und es herrscht absolutes Fahrverbot. Hups... also müssen wir zwangsweise in unserem Hostel bleiben und nutzen den weiteren Off-Tag zum waschen, lesen, schreiben und schauen uns auf den Strassen natürlich auch die Wahltätigkeiten an. Die Wahlbüros sind alle schwer mit Militär gesichert, alle Strassen sind voller Menschen. Es macht aber alles einen ganz friedlichen, entspannten Eindruck. Auch mal interessant zu sehen, wie Demokratie in fernen Ländern funktioniert. Das möchte ich nicht bei uns erleben, dass die Bundeswehr die Wahllokale sichert...

Abends gehen wir dann mit Marion und Günther essen und schmieden Pläne für die nächsten Tage. Morgen steht für mich das Highlight der Reise an: der Salar Uyuni, der größte Salzsee der Welt.

Davon mehr im nächsten Post!