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Pazifikküste, Atacamawüste und Sternengucker

Nach der eisekalten Nacht bei -8 Grad aus dem Schlafsack zu kriechen war, sagen wir, nicht vergnügungssteuerpflichtig. Puh. Das Zelt war bei starkem Wind in Rekordzeit abgebaut und es ging ohne Frühstück und ohne Kaffee zurück auf die Rüttelpiste zum Salar Pedernales - mein Gaskocher hatte die Rüttelpiste nicht überstanden und die Kartusche war leer. Beim Fahren wurde es dann wieder warm, ich war dankbar für die nachgerüstete Griffheizung. Die Strecke 3800 m hinunter zum Merr nach Chanaral war eine der spektakulärsten, die ich jemals gefahren bin. Vorbei am Salar mit Blick auf Vulkane, dann ein enges Kerbtal hinunter, wo ich mich gefragt habe, welcher verrückte Strassenbauingenieur die Idee hatte, so eine verwegene Piste zu bauen. Wahnsinn! Nach jeder Kurve neues Staunen, vorbei an Minen und kleinen zum Teil verlassenen Bergbaudörfern. Und mit jedem Meter wurde es zum Glück auch wärmer. Über Airbnb haben wir uns kurzfristig ein Ferienhaus am Meer gebucht, witzigerweise haben wir das zuerst mit dem Strassennamen in einem falschen Ort gesucht und sind da durch die Slums gefahren, bis wir gemerkt haben, dass wir einen Ortr weiter müssen... Helden der Landstraße! Das Ferienhaus haben wir dann auch so richtig genossen. Nach den Tagen im Dreck und in der Kälte war eine heiße Dusche DER Luxus überhaupt und ich werde ab jetzt zu Hause jeden Duschgang bewusster genießen.
Am nächsten Mittag (Ausschlafen muss auch mal sein) kehrten wir zurück in die Atacama und steuerten das Paranal Observatorium an. Entlang kleiner Küstensträßchen durch den Nationalpark "Pan de Azukar" schlängelten wir uns nordwärts. Die schönen Sandstrände waren ob der Temperaturen menschenleer, dafür hatten wir Kontakt zu Wüstenfüchsen und Lamas. In Taltal hatte ich dann das bisher übelste Erlebnis mit den vielen wildgewordenen Hunden, die einen während der Fahrt ankläffen und beißen wollen. Fast bin ich vor Schreck in den Gegenverkehr geraten, als mich 2 dieser Riesenköter während der Fahrt verfolgten und am Bein ankläfften. Hundefreund werde ich hier nicht mehr...
Das Observatorium der europäischen Organiosation ESO liegt auf 2800 m, leider konnten wir es nicht besichtigen, da das nur Samstags geht. Ein bißchen ehrfürchtig waren wir am Tor aber schon, bedenkt man wie winzig wir sind und was für ein Mückenschiss im Universum wir sind... First Contact lässt grüßen...
Ganz in der Nähe auf 2100 m fanden wir auch einen schönen Wildcamping Spot mit gigantischer Aussicht. Unbezahlbar!
Am nächsten Tag weiter nach Antofagasta mit Zwischenstop an der Riesenhand in der Wüste, der Mano del Desierto. Ein Mahnmal, dass uns erinnern soll, besser mit Mutter Erde umzugehen. Sehr beeindruckend! 30 min waren wir auch alleine dort, dann kamen LKW, Autos und ein Trupp brasilianischer Motorradfahrer und belagerten die Hand.
In Antofagasta, einer größeren Stadt mussten wir in einer großen, ultramodernen Einkaufsmall Zwischenstopp machen, da ich eine neue Gaskartusche brauchte und eine neue Powerbank, die mir in den Bergen auch abhanden gekommen war. Das war schon ein lustiges Bild, wie wir beiden unrasiert, durchgeschwitzt und dreckig durch den Hochglanzbunker gelaufen sind. Bekommen haben wir auch alles und Lebensmittel gebunkert für eine nächste Nacht in der Wüste. Nach der Stadt mit Mall, Hochhäusern und Slums drumherum war ich dankbar für die Einsamkeit und die Ruhe. Wir mussten zwar ein paar Offroadpassagen einlegen und uns einen Weg suchen, aber genau dafür sind wir ja hier :-)

Tag 5, (8.10.) vom Salar Pedernals nach Chanaral
230 km

 

Tag 6, (9.10.) von Charnaral zum Paranal Observatorium
280 km

 

Tag 7, (10.10.) vom Paranal Observatorium nach Baquedano

240 km