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Zurück nach Südafrika

 

20. Reisetag, 24.2.2016,
Tofo Beach - Inhambane - Xai Xai - Xinavane - Moamba - Komatipoort,
550 km, davon 100 km Gravel

 

Heute morgen hätte ich noch einen gratis Tauchgang mitnehmen können, entscheide mich aber dagegen, weil mir allein der Gedanke an das schaukelnde Boot Übelkeit beschert. Also um 9 Uhr auf die Straße. Auf dem Motorrad fühle ich mich schon gleich wohler, obwohl auf dem ersten Sandkilometer bis zur Teerstrasse ein blödes Auto vor mir stehen bleibt und ich auch stehen bleiben muss. Da ich da nicht anrollen kann, muss ich 100 m durch den Sand schieben, die Kiste fällt mir auch noch um dabei. Ganz toller Start....

 

 

Dafür geht es dann aber besser, sogar durch Inhambane schaffe ich es ohne stehen bleiben zu müssen, und auf der Nationalstrasse rollt es wieder ohne Probleme. Wir halten uns aber auch haargenau an die Geschwindigkeitsbegrenzungen in den Dörfern und Städtchen, weil wirklich alle 30 km Verkehrspolizisten mit Radarpistolen die Geschwindigkeit checken. Die Landschaft wird langsam immer flacher und eintöniger, die Palmenhaine verschwinden und Buschland und Felder beherrschen wieder das Bild. Unspektakulär. Wir machen eine Pause an einem Cafe, an dem es ein wenig abschüssig ist und ich wieder gut anfahren kann.
Tom geht es nicht gut, er hat ziemliche Schmerzen im Unterbauch und wir beschließen heute noch die 550 km bis Komatipoort in Südafrika zu fahren und nicht in Xai Xai Zwischenstopp zu machen. Ganz ehrlich, wir freuen uns darauf, die Annehmlichkeiten in Südafrika zu nutzen: für Ihn eine Untersuchung im Krankenhaus, für mich Ersatzteile fürs Motorrad.  
Von der Route her gibt es zwei Möglichkeiten: über die Hauptstadt Maputo, aber dann quer durch die Stadt, was für mich nicht geht, da ich nicht anhalten kann. Eine Horrorvorstellung. Oder über 100 km Piste ab Xinavane bis Moamba. Die Route ist für Tom ein Graus, da er sich mit seiner großen Maschine nicht sicher fühlt auf Gravel. Es nützt nichts, da muss er durch.
Bis Xinavane ist die Strasse geteert. Und genau in diesem einsamen Stück wartet ein korrupter Polizist und will unsere Führerscheine sehen. Ich habe nur den Internationalen Lappen, Tom nur den deutschen Plastikführerschein. Ein gefundenes Fressen für ihn. Nach einigem Hin und Her drücke ich ihm 200 Metical in die Haand (4€) und er lässt uns fahren. Arschloch! Entschädigt werden wir in Xinavane: erster Eindruck eine dreckige, arme Arbeiterstadt mit einem Industriebetrieb. Als wir an der “Tankstelle” mit einer Zapfsäule tanken und anschließend in der benachbarten Bar noch etwas trinken, gibt es wieder einen Menschenauflauf, ich glaube hier kommt nur alle paar Jahre mal ein Tourist vorbei. Alle bewundern die Mopeds und als wir anfanhgen ein wenig mit den Leuten zu kommunizieren, fällt die Scheu und wir müssen zig Fotos machen und mit den Leuten Selfies machen. Es wird viel gelacht. Alles passiert aber mit respektvollem Abstand, keiner grabscht uns an, bettelt oder will etwas verkaufen. Es ist toll, wir haben alle Spaß an der Begegnung mit den "Fremden".
Als ich dann noch wenig Luft im Vorderreifen feststelle und wir mit dem Kompressor die Reifen füllen, haben sie alle einen Mordsspaß. Diese Pause und die Begegnung mit den netten, einfachen Leuten dort ist für mich das Highlight des Tages. Ich glaube, es ist das Lachen und die Freude in den Augen der Leute, die so faszinierend sind. Diese Menschen sind so arm und haben ihr Lachen trotzdem nicht verloren. Toll!

Jetzt folgt die Schotterpiste, ich freue mich darauf, endlich mal wieder Schotter fahren zu können, für Tom ist es eine Tortur. Die Piste zieht sich wie Kaugummi und hat neben glatten Abschnitten auch schön viel Wellblech und groben Schotter zu bieten. Tom wird immer langsamer, ich bin im 2. Gang noch schneller unterwegs als er. Statt den kalkulierten 2 Stunden brauchen wir so über 3 Stunden, bis wir wieder die Terrstrasse erreichen. Die letzten 25 km habe ich ziemlich Bammel wegen dem schwindenden Tageslicht und sage ihm, er soll an meinem Hinterrad bleiben und wenigstens 50 km/h fahren, was auch funktioniert. Er leidet ziemlich unter seinen Bauchschmerzen, hält aber tapfer durch. Bis zur Grenze warten dann noch 90 km Teerstraße. Als wir die Grenze erreichen ist es bereits dunkel. Eine Freude, verschwitzt, fertig und müde das Motorrad ständig schieben zu müssen, weil man einen

"Gate Pass" braucht, Zoll und Passkontrolle. Die nervenden Fixer tun ihr übriges. Warum macht man das Prozedere an der Grenze derart unübersichtlich, dass man Fixer braucht?
Was geht mir das auf den Nerv. Wir schaffen es trotzdem relativ schnell, einmal fällt mir beim Schieben zur Schranke noch das Motorrad um, weil ich so erschöpft bin. Grrr….. Die paar Meter bis zur südafrikanischen Seite kommt mir vor als wechselten wir das Universum. Sauber, keine Fixer, gut beleuchtet, gut organisiert. Es klappt wie am Schnürchen und wir fahren zu einem Guesthouse in Komatipoort. Ein Traum! Klimatisiertes Einzelzimmer, saubere Dusche, gutes Restaurant, freundliche Leute. Wir sind extrem happy und gönnen uns ein üppiges Abendessen, nachdem ich außer ein paar Rusks am Morgen nichts gegessen habe.

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