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Auch im Paradies findet das normale Leben statt...

 

13.Reisetag, 17.2.2016
Vilanculos, 0 km

Nach einem Tag in der Lodge fällt mir schon fast wieder die Decke auf den Kopf, ich habe Bewegungsdrang und gehe nach dem Bad im Meer und Frühstück mit Tom ca. 3 km den Strand runter bis zum Hafen. Es gibt nicht viel zu sehen und ich bin überrascht, wie wenig touristisch erschlossen der Ort ist. Der größte Teil ist ein normales afrikanisches Dorf mit guter Infrastruktur und den üblichen Bauruinen und Dreck überall. Aber das macht es ja auch aus, ein Hochglanz-Touristenressort will ich ja auch gar nicht. Die wenigen Resorts/Backpacker sind eindeutig in der Minderheit und trotzdem kann ich ohne ständig angequatscht zu werden durch den Ort gehen und in einem Cafe was trinken. Ich genieße das. Sich ständig irgendwelcher Angebote und Anmache wehren zu müssen, nervt mich sehr und das hier ist unerwartet angenehm...

Sogar im “mercado municipal”, dem örtlichen Markt kann ich mir in Ruhe alles anschauen: es ist wie die Suks in Nordafrika: winzige Gänge, zum Teil mit Planen abgehängt, die keine Standhöhe erlauben, alle Gerüche dieser Welt, Gedränge und ein Angebot wie in einem typischen Straßenmarkt. Ein Erlebnis für alle Sinne. Nachmittags wird dann entspannt im Garten gelegen und entspannt. Mit Blick auf das türkise Meer hat das schon was paradisisches! Abends wird dieses Bild vom Paradies jäh gestört: wir erfahren von Truckern, dass im Norden im Bereich der EN1 am Gorogosa National Park ein Bus beschossen wurde und ein Mensch starb. Wir hatten schon während der Reisevorbereitung auf der Seite des auswärtigen Amts gelesen, dass es im Norden Unruhen zwischen Oppositions- und Regierungsanhängern gibt und es auch schon vereinzelt Tote gegeben hat. Da wir aber als Motorradfahrer sofort als Touristen erkennbar sind, haben wir die Gefahr verdrängt. Die schießen eher auf Busse und Trucks, in denen sie Soldaten vermuten. Jetzt zu hören, dass genau auf dieser Straße, auf der ich vor einer Woche noch alleine hergefahren bin Menschen gestorben sind, ist schon hart. Auch so ein Aspekt der Reise, auf den ich verzichten könnte.

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