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Ohne Panne geht´s nicht...

 

10. Reisetag, 14.2.2016, Sonntag
Caia - Chimoio, 350 km Teer

 

 

 

Ich habe die ruhige Nacht genossen und frühstücke gut in der Lodge. Um halb zehn geht es los und zurück auf die Strasse.

350 km langweilige Teerstrasse erwarten mich. Das heißt so langweilig ist sie dann auch nicht, da die mörderischen Schlaglöcher oftmals eine Slalomveranstaltung aus der Fahrt machen. Gestern war die Fahrt so viel von schönen Pisten, Brücken, etc. unterbrochen, heute habe ich leider viel mehr Zeit wieder Sorgen zu machen. Sorgen um die Technik, hält der Motor, gibt´ s einen Platten, macht die Kühlung und die Kupplung was sie sollen....?

Es ist einfach bescheuert. Ich reflektiere während der Fahrt viel über das "Sorgen machen":

es ist ja nichts anderes, als sich die Zukunft schlecht auszumalen. Mir kommen Bilder und Filme in den Kopf, wie ich am Straßenrand stehe, niemand da und die Kiste läuft nicht mehr. Ich brauche eine ganze Zeit, die Dämonen wieder zu zügeln und die Bilder kleiner zu machen, die Filme auf stumm zu schalten und am Ende ganz aus dem Kino zu gehen. Eine mentale Technik aus dem NLP: man dissoziiert sich von dem inneren Bild/Film, den man unweigerlich im Kopf hat, stellt sich z.B. vor, der Film, der schlechte Gefühle macht, läuft in einem inneren Kino und geht in der Vorstellung einfach aus dem Kino raus. Oder mach stellt ihn in der Vorstellung stumm, schwarz-weiß oder macht ihn klein. Es gibt unzählige Möglichkeiten, so seinen inneren Gefühlszustand aktiv zu beeinflussen. Wen´s interessiert: das nennt man Submodalitätenarbeit. Ich tue mich gerade schwer damit und brauche einige Anläufe, am Ende klappt´s aber und ich kann die Fahrt auch genießen. Wenn das Treffen mit Tom heute klappt, ist es sowieso entspannter.

 

Bis Inchope läuft alles bestens, ich tanke und frage den Tankwart nach der Strecke nach Süden, die wir morgen fahren: er meinte wäre alles gut, “es wird kaum noch geschossen”. Na bestens. Kaum noch. Hier im Norden von Mozambik flammten in den letzten Wochen immer mal wieder einzelne Feuergefechte zwischen Regierungs- und Oppositionstruppen hoch. Ich hatte das auch immer im Hinterkopf, aber so direkt und ungefragt Info zu bekommen ist schon heftig. Ich bin froh, wenn wir morgen am Meer sind! Trübe Gedanken wegwischen, ich freue mich schon auf unser erstes gemeinsames kaltes Bier.

Dann, 50 km vor dem Ziel in Chimoio, fängt das Motorrad an zu schlingern. Rapider Luftverlust im Hinterrad, ich muss sofort stehen bleiben. Das ist doch schon fast zum Lachen! Ich mache mir den halben Tag Sorgen um Pannen und als ich dann ein paar Stunden frisch, fröhlich, frei unterwegs bin, kommts dann doch. Grrr! Komischerweise geht bei mir dann sofort die Denkroutine Richtung Lösung los: was ist genau passiert, wie bekomme ich den Fehler raus, wie kann ich den Fehler beheben, brauche ich Fremdmittel oder kann ich es alleine, etc... Der Moment des Frusts dauert nur eine Minute, dann gehts gleich in die Lösungsentwicklung: erst mal runter von der Strasse, 100 m zurück zu den kleinen Strohhütten, an denen an der Seite mehr Platz ist, sonst überfährt mich hier noch ein LKW. Sofort bin ich wieder von 20 Leuten umringt, 4 wollen unbedingt helfen und ich bin auch dankbar dafür. Erst mal Fehlersuche: schnell erledigt: ein riesiger Nagel hat sich in den Reifen gebohrt, der Schlauch ist zerfetzt und schaut schon zwischen Mantel und Felge raus. Zum Glück habe ich alles Werkzeug und einen Ersatzschlauch. Die Helfer lassen es sich nicht nehmen, den Mantel selbst abzuhebeln und den Ersatzmantel einzuwurschteln. Leider hat der am Ventil schon einen Riss, aber kein Problem, ich habe ja auch Flickzeug dabei. Jetzt bin ich froh, dass ich mir über meine Ersatzteilpackliste so viele Gendanken gemacht habe! Also Riss geflickt und mit gemeinsamen Kräften das Rad wieder eingebaut. Hat keine Stunde gedauert die Aktion und wir hatten alle viel Spass. Einer konnte ein wenig Englisch, mit dem hatte ich echt Spass. Und er hatte auch noch ein Trickot vom BVB an, das machte ihn noch sympathischer! :-) Jeder Helfer bekam 100 MZM (2 €) und wir sind alle happy. Wieder so eine schöne Begegnung, das Highlight des Tages, geboren aus einer vermeintlich beschissenen Situation. Toll!

 

Bis Chimoio ist es nur noch ein Katzensprung und Tom erwartet mich schon vor dem Backpacker. Was für eine Freude es geschafft zu haben. Er kam aus Johannesburg über Zimbabwe hochgefahren. Wir erzählen erst mal unsere Geschichten und trinken das Willkommensbier, selten hat ein Bier so gut geschmeckt! Zu zweit weiter zu reisen ist für uns beide so viel entspannter, alleine schon wenn was passieren sollte. Aber auch den Austausch zu haben und die Freude zu teilen beim Reisen ist einfach so viel wert. Für mich jedenfalls. Alleine hat auch was, aber zu zweit ist für mein Empfinden optimal, da man sich auch schnell abstimmen kann. Mehr Leute ist schon wieder nervig.

 

Wir gehen Abends noch mit einem schweizer Pärchen in die “Stadt”, ein dreckiges, lautes Loch, in dem es nichts zu sehen gibt. Die Nacht passt dann auch zu der touristischen Qualität des Ortes: bis 2 Uhr extrem lautes Hundegebell von allen Hunden in diesem Häuserblock und danach extrem lautes Schnarchen meines Mitreisenden (sorry Tom). Heute muss ich mit 3 Stunden Schlaf auskommen und ordne diese Nacht unter die TOP 3 meiner schlimmsten Nächte ein. Zum Vergessen!

 

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