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on the road again....und wie!

 

9. Reisetag, 13.3.2016, Samstag
Blantyre - Vila Nova Border Post - Sena - Caia - M´pinghwe Camp,
350 km, davon 130 km Schotter

 

“Wenn´s läuft, läufts!”

 

Ich stehe schon um halb sieben auf und ahne nicht, dass das der spannendste und einer der schönsten Reisetage bisher in Afrika werden wird. Vorher steht aber noch ein wehmütiges Frühstück an, in dem wir planen, wann wir uns das nächste mal sehen werden. Vielleicht ja in Namibia bei der Hochzeit, das wäre schön! Cameron, der englische Arzt kommt auch noch zu Besuch und ich kann mich von Akkilah und auch von ihm nochmal verabschieden. Die Kleine weint sogar als ich am aufgerödelten Moped stehe und mich dann von Guido mit einer herzlichen Umarmung verabschiede. Dann raus aus dem Tor und den Fokus nach vorn. Es ist schön, dass es endlich losgeht. Blantyre mit seinem mörderischen Samstagsverkehr ist nach 20 min hinter mir, die Straße nach Süden windet sich vom Hochplateau wie eine Schlange hinunter ins Tal des River Shire.

 

Guido hatte recht, eine wunderbare Strasse mit tollen Ausblicken in das Tal. Ich fahre vorsichtig und horche immer mal wieder, ob sich alles so anhört, wie es soll...und das tut es, Temperatur auch im grünen Bereich, wunderbar! Wie ich dieses Gefühl vermisst habe! Die Kurven sind Klasse, leider gehts im Tal dann nur noch flachh geradeaus, etwa 140 km. Das ist aber auch nicht schlecht, dann kommt man wenigstens voran uund die Zeitfresser kommen ja erst noch. Ab Nsanje verschwindet die Teerstrasse und der letzte Rest Straße im südlichen Malawi wird durch eine Gravel Road ersetzt, die nur eine Fahrzeugspur breit ist, mit Schlaglöchern gepflastert und durch einige trockene Flussdurchfahrten verläuft. Es ist zwar gerade Regenzeit und hier sollte alles feucht sein und die Flüsse fließen, stattdessen totaler Regenmangel. Guido hat schon die Vermutung geäußert, dass es zu einer Hungersnot kommen wird. Hoffentlich gibt es genug Getreidereserven… Wäre jetzt normale Regenzeit, wäre diese Straße absolut unpassierbar! Manch breite, sandige Flussdurchfahrt lässt mich daran denken, dass das hier gerade eine absolute Ausnahme ist. Richtig Klasse ist das Navi. Ohne Navi hätte ich schon zigmal den Pfad verloren. der kleine blaue Pfeil ist mir heute zu einem guten Begleiter geworden und ein Freund geworden. Diesmal bin ich auch schlauer und habe den Mechanismus nochmal mit Panzerband abgesichert. Ich will ja nicht nochmal das Ding verlieren. Dann die Grenze, Vila Nova Border Post. Auf malawischer Seite eine Baracke, die Zöllner locker vor der Tür mit Kumpels am chillen, natürlich bin ich der einzige Grenzgänger. Der Beamte, der den Pass bearbeitet quält sich dann auch widerwillig ins Büro, nach 10 min ist alles ausgefüllt und fertig. Dann zum “customs”. Problem! Ich habe das Dokument nicht mehr, dass ich bei der Einreise nach Malawi vor einem Jahr für die KTM bekommen habe...keine Ahnung wo das Ding ist. Die Worte “we have a problem, I must send you back” will man nicht so gerne an einer Grenze hören. Da wir aber am Ende dder Welt sind, hat der Zöllner dann ein Einsehen. Mit reumütigem Dackelblick, meinen grauen Haaren und der Lesebrille scheint der Deutsche vertrauenswürdig. Er ruft irgendjemanden an, nimmt alle meine Daten nochmal auf und meint das wäre es dann. Ohne Bakschisch! Ich kann´s nicht glauben und grinse wie ein Honigkuchenpferd. Um das Bild dann auch noch unglaublich zu machen, hängt hinter dem echt netten Mann die “Vision” der Grenzbehörde in einem Rahmen: “freundlich, schnell und proffesionell”. Das nenne ich mal eine glatte Eins in der Umsetzung! Weiter geht´s. Mir kommt der Gedanke, dass das an der großen Grenzststion Richtung Tete nicht so einfach gewesen wäre. Wer weiß, was mich da noch erwartet hätte!

Mozambik:
3 km weiter in Mozambik: Grenze die Zweite. Hier steht eine richtig große Militärstation mit festen Gebäuden, zum Teil noch aus der Kolonialzeit. Die Zöllner sind auch hier völlig problemlos und nett. Etwas gelangweilt vielleicht, aber das nehme ich gerne in Kauf. Es ist einfach klasse an so kleinen Grenzen zu wechseln, da gehts einfach viel schneller.  Leider bekomme ich hier keine Versicherung für die KTM, die man aber braucht. Erst in Chimoio morgen kann ich eine kaufen. Hoffentlich glauben mir das die Polizisten an den Straßenkontrollen. Betroffen macht mich die Begegnung mit meiner ersten Person auf der Strasse nach dem Grenzposten: eine alte Frau mit nur einem Bein und Krücken. Sie sollte nicht die einzige sein, die von Bürgerkrieg und Minen gezeichnet an der Strasse zu sehen ist. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie schlimm der Bürgerkrieg hier gewütet hat. Mein Hirn kann so ein sinnloses Hochschaukeln und wildes Morden einfach nicht verstehen. Ist vielleicht auch ganz gut so.  Die Piste verläuft dann ganz nach meinem Geschmack weiter, es geht locker im Stehen mit 50 -60 km/h voran bis Mutarara. Hier entscheidet sich es jetzt: Brücke über den Zambesi nach Sena oder 340 km Schotter Umweg…
Der Ort ist das typische afrikanische Chaos mit ein paar Lehmpisten und wilden Stores überall. Ich wäre ohne Navi völlig aufgeschmissen. Mitten im Ort halte ich an, um etwas zu trinken zu kaufen und bin natürlich wieder sofort DIE Attraktion. Ich komme mir mehr denn je vor wie ein Marsmensch, sofort umringen 30 Leute mein Motorrad und mich, um mir beim Genuß einer Dose Cola zuzuschauen. Alle sind aber ausreichend distanziert, niemand fasst etwas an und sie sind freundlich und lachen. Ein paar Spässchen in Zeichensprache und englisch brechen den Bann sofort. Ein Weißer gesellt sich auch dazu und stellt sich gleich vor, Derek, Betreiber einer Krokodilfarm am Zambesi. Er ist sichtlich erfreut, mal einen Weißen , englischsprachigen zu sehen und meint, dass er hier seit einem halben Jahr keinen Weißen mehr hier gesehen hat. Ist ja auch nicht gerade DAS touristische Highlight der Region.
Was aber ein Highlight ist, ist die Brücke: Gebaut in den 30ern und die längste Eisenbahnbrücke Afrikas mit rund 3500 m! Und wunderschön sind die sich aneinanderreihenden Stahlbögen auch noch. Derek bietet sich an, mich bis auf die andere Seite zu begleiten, da es Stufen hat und man ja nur auf dem Fussgängerteil fahren kann. Er mietet schnell einen Mopedfahrer und fährt voraus, winzigste Pfade unter der Brücke durch Tiefsand hindurch bis an die Treppe. Mir bleibt das Herz stehen, steile Treppenstufen, da sollen wir mit der bepackten 640er rauf??? Vor uns stehen ein halbes Duzend bepackte Fahrräder, die auch rüber wollen. Derek schiebt die mal in ganz südafrikanischer Manier zur Seite und dirigiert mich nach vorne. Dann passiert´s: aus dem Busch stürzen zwei Uniformierte, die nur auf solche Gelegenheiten warten und verlangen, dass ich mein gesamtes Gepäck auf mache und alles zeige. Reine Abzocke. Derek regt sich tierisch auf, schiebt den Kerl zur Seite, steckt ihm 400 MZM (10€) zu und sagt ihm ziemlich klar, dass er sich verpissen soll, was er auch tut. Ich habe gar keine Zeit mich zu ärgern, wir sind umringt von “freiwilligen” Helfern, die ein Geschäft wittern und nach Dereks Anweisungen schieben wir das Bike die Treppe hoch. Es ging ratz fatz und oben waren wir. Ein paar MZM unter der Menge verteilt und ich fahre auf dem Fussgängerstreifen über den Sambesi. Ein unvergessliches Erlebnis. Brücke und Fluss sind wunderschön, erhaben. Als könne ihnen die ganze Hektik der Menschen nichts anhaben. Mich durchströmt ein Glücksgefühl! Geschafft! Guido hatte recht mit seiner Prognose. Auf der anderen Seite warten dann noch ein paar Stufen hinunter, die wir wieder mit Hilfe aber leicht meistern. In Sena, dem Ort auf der anderen Sambesiseite trinken wir dann noch ein Bier zusammen. Ich bin so dankbar, dass mir dabei wieder geholfen wurde! Schon wieder ein Beispiel dafür, dass sich in Afrika alles fügt - und nicht nur hier :-)

 

Wir sitzen eine Stunde zusammen, dann gehts weiter. Derek hätte mich gerne eine Nacht zu sich eingeladen, aber das wird mir morgen dann zu lang. Die nächsten 60 km Piste sind unruhig, aber akzeptabel mit 80 km/h zu fahren, kurzer Tankstopp in Caia, dann noch 30 km bis ins M´phingwe Camp. Eine kleine, einfache, saubere, gut geführte Lodge mitten im Busch. Ideal für eine Nacht. Ich nehme mir eine Hütte und genieße den ruhigen Abend mit Abendessen und einem Plausch mit den Besitzern am Lagerfeuer. Buschromantik pur. Was für ein Tag! Der hat alles geboten, was Motorradreisen in Afrika ausmacht! Ich brauche eine Zeit, bis ich alles verarbeitet habe und im Schlafmodus bin. Genau für solche Tage nehme ich den ganzen Aufwand auf mich. Das kann man nirgens buchen, das muss man selbst erleben. Ich schlafe glücklich ein und bin dankbar, das die “richtige” Reise mit so einem Spitzentag angefangen hat.

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Kommentare: 5
  • #1

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