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Lilongwe / Reparaturversuche

19. Reisetag: 24.2.2015 - Lilongwe - Reparaturversuch

Mein erster Gedanke beim Aufwachen ist "was für ein Mist", statt mich zu freuen, dass ich hierher geschafft habe und mich heute um die Reparatur kümmern kann. Zuerst muss ich den empfohlenen Mechaniker anrufen, also SIM Karte und Geld besorgen. Dazu fahre ich mit einem Fahrradtaxi in die Stadt. Das klingt toll, ist aber ein schrottreifes Fahrrad mit einem gepolsterten Brett als Gepäckträger, auf dem man hinter dem Fahrer sitzt und er strampelt. Rikscha auf afrikanisch. Normalerweise würde ich sowas ja als schöne Erfahrung werten, aber heute geht mir das alles auf den Geist und zu langsam. Ich merke, wie meine Ungeduld an mir zerrt. Auch in der Stadt will man mir erst eine gebrauchte SIM Karte andrehen und wird ständig angequatscht. Das nervt und manchmal ranze ich die Leute an. Mein Nervenkostüm leidet...

Ich erreiche den Mechaniker dann sofort und wir holen ihn mit Taxi aus seiner Firma in der Mittagspause ab. Er meint, es wäre ein Nockenwellen oder Ventilproblem, eventuell auch Lagerschaden. Das wäre schlecht, da wir dann Ersatzteile bräuchten und die Reise definitiv zuende wäre. Er will um 5 Uhr nach der Arbeit kommen und erst mal die Ventile einstellen. Vielleicht bringt das ja was. Gut soweit. Inzwischen muss ich den Tag mit warten rumbringen, baue schon mal die Ventildeckel ab und starte im Motorradreiseforum auf Facebook einen Hilferuf. Unglaublich die Resonanz dort, es kommen tausend gute Wünsche und es tut so gut, dass ich mich nicht mehr so alleine fühle. Trotzdem wird der Tag lang. Untätig rumsitzen ist nicht meine Stärke. Ich schicke Lian eine Fehlerbeschreibung per Mail, die sie an den KTM Händler in Kobern weiterleitet und er kommt zu demselben Ergebnis wie der Mechaniker. Das ist eine Spur. Im Forum werden noch tausend andere Gründe genannt, über die ich nachgrübele. Gegen 5 Uhr schicke ich dann das Taxi wieder los, um den Mann abzuholen. Der kommt aber nicht und ruft an, dass es heute nicht mehr geht, erst morgen Mittag wieder. Ich platze!! Den ganzen Tag gewartet und jetzt versetzt er mich. Ich spiele mit dem Gedanken, die KTM einfach hier zu lassen und morgen nach Hause zu fliegen, so geht mir das alles hier auf die Nerven. Jetzt kommt das Sprichwort ins Spiel "Wenn du glaubst es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her". Das Lichtlein oder die Kraft des Universums doch alles gut sein zu lassen, erscheint in Person von Guido. Einem Schweizer, der 2 Jahre mit dem Motorrad durch Afrika gefahren ist und in Malawi hängen geblieben ist. Er hatte beruflich hier zu tun und muss eine Nacht im Guesthouse übernachten. Als Motorradenthusiast fragt er natürlich gleich, was los ist und es entspannt sich ein Benzingespräch, bei dem er Blut leckt. Er ist KTM Fan, hat das Auto voll mit Werkzeug und bietet mir an, nochmal alles zu checken: Elektrik, Vergaser und Ventile. Das machen wir dann auch bis um 21 Uhr mit bestellter Pizza, Bier und unter einem Schleppdach mit mäßigem Licht. Passenderweise kommt noch ein Overlander mit 20 Leuten vorbei, die sich dann nach 30 min schon beschweren, dass wir das Motorrad vor dem Bus reparieren und im Weg stehen. Wie ich diese selbstverliebten Reisegruppen hasse! Ich bin froh, dass mir Guido hilft, wir bauen den Vergaser nochmals aus, putzen alles, aber nichts passiert. Er bleibt hartnäckig und will wissen was es ist: bei den Einlassventilen werden wir fündig: der Kipphebel hat viel zu viel Spiel, da muss ein Lager oder die Nockenwelle kaputt sein. Die Ventile öffnen daher nicht mehr richtig und der Vergaser bekommt keinen Unterdruck. Endlich wissen wir es und sind völlig erstaunt über den Fehler, aber auch glücklich, dass wir es nun wissen! "Zufälligerweise" hat er auch noch einen deutschen Freund, der 2 baugleiche KTM hat und wohl einige Ersatzteile. Er ruft ihn an und der erklärt sich bereit, das Motorrad abzuholen und wenn möglich zu reparieren. Die Achterbahn geht wieder nach oben. Endlich ein Plan mit der Option die KTM hier zu verkaufen, falls das möglich ist. Wenn sie wieder läuft, kann ich mir immer noch überlegen, ob ich sie im Dezember hier wieder abhole oder verkaufe. Klasse, ich bin so glücklich wie seit 3 Tagen nicht mehr. Das heißt auch, morgen kann ich nach Hause fliegen. Über die genial einfache Opodo App buche ich für günstige 520 € einen Flug von Lilongwe nach Frankfurt. Die Feierabendbier haben wir uns dann um 22.30 aber redlich verdient. Als ich im Bett liege kann ich mein Glück kaum fassen. Von den schwarzen Mechanikern hätte das niemand hinbekommen und schon gar keine Ersatzteile an Land gezogen. Jetzt habe ich motivierte Leute, die das als Herausforderung sehen und auch noch Ersatzteile beschaffen können oder schon haben. Was freue ich mich jetzt, morgen nach Hause zu fliegen!

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