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Lake Malawi / Cape McLear, Tag 2

16. Reisetag: 21.2.2015: Cape McLear

Ich werde vom Geräusch von Regentropfen auf dem Zelt wach. Es ist 8 Uhr und es regnet immer noch. Das Zelt ist aber immer noch dicht und da ich heute sowieso einen Erholungstag eingeplant habe, ist mir das egal! Ich bleibe im Bett liegen und döse und lese noch ein wenig. Herrlich, einfach nichts vor zu haben. Um 10 hört es dann auf zu regnen und der Vormittag wird mit Kaffee und Whats app am Strand verbracht. Nachmittags mache ich mich auf den Weg durchs Dorf, um eine Tauchbasis zu finden. Es fühlt sich für mich immer wieder komisch an, wie ein Außerirdischer angestarrt zu werden von Leuten, von denen ich weiß, dass sie 300 € im Monat haben und ich unermesslich reich bin für sie. Dort wo die meisten Lodges und Backpacker sind, bekomme ich auch wieder Drogen und allerlei andere Sachen angeboten. Wie mich dieses ständige "nein" sagen ankotzt und hier ist es noch vergleichsweise harmlos... Ein Vorgeschmack auf Sansibar und Tansania. In diesem Moment entschließe ich mich, wieder nach Namibia zurück zu fahren. Eben beim Losfahren war die Batterie schon wieder tot und ich musste ankicken. Außerdem klackern die Ventile wie verrückt und werden immer lauter. Ich denke, das war das letzte Signal für mich. Kehrt. 5000 km alleine weiterfahren ist mir zu heikel und macht mir auch keine Freude mehr. Mit einem Reispartner wäre es schöner...

Ein wenig fühlt sich die Entscheidung wie eine Niederlage an. Warum eigentlich? Mich zieht es zurück, Ende der Geschichte. Was andere davon denken mag mir doch egal sein, letztlich kommt es darauf an, die passende Entscheidung für mich zu treffen. Zu oft in meinem Leben habe ich das schon versäumt und die vermeintliche Meinung der "Anderen" zu wichtig genommen. Ich glaube, ich habe das Alleine sein auch unterschätzt. Im letzten Jahr war es nur eine Woche und davor die 3 Wochen war es nur so schön, weil ich in Christoph einen perfekten Reisepartner hatte. Als in Chembe dann noch die Backpacker sehe und in einen Internetvoucher kaufe, gehen mir die ganzen Möchtegernaussteiger und Abhänger ziemlich auf den Geist. Das ist einfach nicht meine Welt und ich fühle mich in den den gediegenen Lodges in Namibia deutlich besser. Dieses künstliche cool sein ödet mich an. Ja, die Werte ändern sich mit dem Alter. Zumindest fühlt es sich gut an, eine Entscheidung getroffen zu haben. Abends, als ich ins Bett gehe taucht plötzlich ein alter Mann auf, der wohl hier Nachtwächter ist. Er kommt freundlich zu mir, lacht und meint "I am old man"... Ich frage mich, was in deren Köpfen vor sich geht. Bei einer Lebenserwartung von 53 Jahren in Malawi ist der Mann auch ungewöhnlich alt, wahrscheinlich vergleichbar mit 95 Jahren bei uns. Darauf kann er in der Tat stolz sein. Die Nacht ist unglaublich schwül. Ich habe das Gefühl, alles auszuschwitzen, was ich noch an Wasser im Körper habe. Dass das Überzelt drauf bleiben muss, weil das Wetter jede Stunde umschlagen kann, weht kein Lüftchen durch meine kleine Kuppel. Und heute Nacht fällt mir das schwer, ich schlafe schlecht.



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