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Petauke / Sambia - Senga Bay / Lake Malawi

14. Reisetag: 19.2.2015: Petauke - Semba Bay, Lake Malawi (470 km Teer)

Ein neuer Tag, die Nacht hat die Dämonen vertrieben. Die grauen Wolken sind einem blauen Himmel gewichen, die Overlander fuhren um 7 schon los, gerade, als ich das Zelt aufmache. Herrlich! Die Fahrt an die Grenze verläuft reibungslos, wenn auch viel über Gravelumleitungen, weil die Straße auf zig Kilometer erneuert wird. Meist sind das EU Projekte, wie man an den Schildern entnehmen kann. Ich genieße die Fahrt, die durch eine sanfte Hügellandschaft verläuft und kann die Gedankendämonen im Zaum halten und mich auf die schöne Fahrt konzentrieren. Die Ängste vor Panne, Unfall, Verfahren, bleiben heute klein. Sie tauchen zwar immer mal wieder auf, lassen sich aber gut im Zaum halten.

In Chipata, der Grenzstadt auf Sambiaseite versuche ich meine sambischen Kwacha gegen malawische Kwacha einzutauschen, was nicht so einfach ist. Mitten in dem afrikanischen Chaos von Straßenständen, Fahrradfahrern, Fußgängern das Wechselbüro zu finden. In den Banken tauschten sie mir mein Geld nicht in die malawische Währung um. Scheint nicht sehr stabil zu sein der malawische Kwatcha. Ich konnte nicht mal einen offiziellen Kurs herausbekommen. Als ich die Wechselstube dann endlich  fand, bekam ich 420 malawische Kwacha für einen Dollar, was bei meinen getauschten Kurs dem Euro entsprach (leider habe ich in Deutschland getauscht, als ich nur einen Dollar für den Euro bekam, das waren die ungünstigsten Tage). Abends erfuhr ich in der Lodge, dass man auf dem Schwarzmarkt 460 Kwatcha  bekommt, offiziell bei den Banken nur 420... das wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht. An der Grenze muss man wieder eine Versicherung abschließen und eine Road Toll bezahlen. Kaum erstirbt der Motor, bin ich von Straßenhändlern umringt, die Geld umtauschen wollen. Sinnigerweise muss man die Gebühren in malawischer Währung bezahlen, Banken oder einen ATM gibt es aber nicht. Ich rechne noch auf der sambischen Seite herum, um mich mit dem Händler zu einigen und schwitze mich in den Motorradklamotten kaputt. Letztlich tausche ich 50 Dollar um, und werde um 5 Euro beschissen, was mir im Moment aber scheißegal ist, da ich nur endlich die Grenze überwinden will. Das geht auch relativ einfach im Vergleich zur Einreise nach Sambia. Visa ist frei, Road Toll 12 €. Dann raus aus dem Zollgebäude. Die obligatorische Versicherung fürs Motorrad muss ich in einem "Versicherungsbüro" kaufen. Das heißt hier in einem völlig abgeranzten Minigebäude hinter wartenden LKW zwischen zwei Bars. Afrika ist herrlich. Ohne einen dieser Geldwechsler, der mich hingeführt hat, hatte ich das nie gefunden. Leider muss ich nichts mehr wechseln und er geht leer aus. Alles klappt aber wie am Schnürchen und als ich dann die hochwichtige Versicherung in Händen halte, bin ich erleichtert und froh, es wieder geschafft zu haben. Jetzt erst mal ein Cola in einer der benachbarten Bars. Davor sitzen in einer strohgedeckten Rundhütte ca. 10 junge Locals, die mich dazu bitten. Ein interessantes und lustiges Gespräch zwischen den beiden Welten entspinnt sich, sie haben tausend Fragen und erzählen von sich. Ganz wichtig ist, wie viele Kinder ich habe. Mit zwei bin ich fast ein Looser, einer will angeblich zehn haben. Obs stimmt? Egal, es war eine besonderes Erlebnis, die halbe Stunde bei den Kerlen zu sitzen. Auf den ersten Blick hätte ich einen großen Bogen um die biertrinkenden Mittzwanziger gemacht. Nach dem ersten Kontakt war es super nett, wie so oft, wenn man sich richtig einlässt. Dann endlich die ersten Meter in dem neuen Land. Malawi ist bei mir mit einigen Erwartungen verbunden: der schöne See, tauchen, nette Menschen, kürzere Tagesetappen auch mal über Gravel und Campsites mit Strand. Hoffentlich bewahrheitet sich der malawische Slogan "the warm heart of africa". Ich bin jedenfalls voller Vorfreude und genieße die guten Straßen. Bei den auch hier üblichen Straßenkontrollen, die allesamt harmlos und sehr nett ablaufen fällt mir auf, dass sich alle wundern, dass ich nur mit der Karte fahre, die im Tankrucksack steckt. Das können die Beamten kaum glauben und scheint hier unüblich zu sein. Die beiden anderen Dinge, die Aufsehen erregen, sind meine Motorradstiefel, die alle anstarren und die Go Pro auf dem Helm. Egal wo ich stehen bleibe, am Straßenrand, am Geldautomaten oder für eine Kartenpause sprechen mich die Leute immer darauf an. Und alle sind  ausgesprochen herzlich, freundlich und angenehm neugierig. Nie aufdringlich! Ich versuche herauszubekommen, was anders ist in Malawi. Es ist ärmer, das zeigt sich an der abnehmenden Anzahl Autos und der zunehmenden Anzahl Fahrräder auf den Straßen. Auch die Dörfer an den Straßen wirken deutlich einfacher, dreckiger und heruntergekommener. Was für ein Kontrast zu Namibia! Ich entschließe mich, nicht in Lilongwe zu bleiben, sondern noch die 1,5 Stunden zum See nach Senga Bay zu fahren. Eine schöne, kurvenreiche Strecke auf gutem Teer. Der Himmel verdunkelt sich leider auch und ich bekomme ein paar Regentropf ab. In Senga Bay ist es aber wieder trocken. Der Ort ist seltsam: in vorderster Reihe zu See liegen die Lodges und Guesthouses, dahinter ärmliche Strohhütten mit unübersichtlichen, sandigen Passagen, durch die man erst durchkommen muss. Ich fühle mich nicht wohl dabei, als "reicher" Weißer mit dem exotischen Motorrad durch diese Ansammlung zu fahren und überall Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber was hilft´s, irgendwann bin ich da. Die Hütten sind leider alle belegt mit britischen Soldaten, die hier malawische Soldaten ausbilden und so muss ich wieder campen. Dafür ist der Garten, die Bar und das Restaurant sehr schön am See gelegen. Die Soldaten zeigen sich als ziemlich wortkarg und reden nur untereinander, sie wirken fast ein wenig arrogant. Keiner spricht außer Hello auch nur zwei Sätze mit mir - sogar nicht, als ich es mit dem Thema Fußball versuche. Dann nicht. Da das versprochene WiFi mal wieder "down" ist, fühle ich mich ganz schön einsam und verbringe die Zeit mit schreiben und lesen und einem leckeren Abendessen mit frischem Fisch. Soweit ist der Abend ok, ab 22 Uhr folgt dann die nächtliche Hölle: Als ob morgen die Welt untergeht, wird im Dorf Party gemacht, ab 1 Uhr ist dann Ruhe, die kurz darauf von kläffenden Kötern in der Nachbarschaft jäh beendet wird. Die Viecher bringen mich fast zur Weißglut. Bis zum morgendlichen Muezzin um 5 Uhr mache ich nur unstet die Augen zu. Was für eine Scheißnacht! Eigentlich wollte ich noch einen Tag hier bleiben, aber nach dieser Erfahrung mache ich mich lieber auf den Weg zum Cape McLear.


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