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Lusaka - Petauke

13. Reisetag: 18.2.2015: Lusaka - Petauke (455 km, davon 40 km Gravel)

Der Himmel ist grau und es ist kalt. Jedenfalls, wenn man auf 38 Grad gewöhnt ist. Die grauen Wolken, der kalte Wind und die unangenehme Stadtdurchfahrt durch das hässliche Lusaka lassen meine Stimmung auf den Nullpinkt sinken. In Lusaka verfahre ich mich dann auch noch, verfluche zum x-ten Mal den Verlust des Navis und frage mich eben durch. Der Kontakt mit den Leuten ist schon nett, weil alle fragen woher und wohin und anerkennend die Daumen heben. Trotzdem nervt es mich, nicht autark zu sein. Gestern Nacht haben die Lokals in der Bar lautstark die Champions League bis um halb eins geschaut und habe schlecht geschlafen. Das nehme ich mit in den Tag und werde es nicht mehr los.

Ständig kreisen meine Gedanken um das schlechte Wetter und die Sorge, vielleicht im Regen fahren zu müssen, was alles am Motorrad kaputt gehen kann und wie sehr ich Namibia, Lian und Benjamin vermisse. Zwischenzeitlich hilft es mal, sich auf die schönen Sachen zu konzentrieren: die schöne Hügellandschaft auf der Great Eastern Road, dem Gefühl der Freiheit und der Vorfreude auf den Malawisee. Ein Wechselbad der Gefühle, die einhergehen mit Abschnitten blauen Himmels und tiefgrauen Regenwolken, die mich aber bis abends im Trockenen fahren lassen. Diese schlechten Gefühle sind wie ein kleiner Dämon in mir, ich muss schon fast schmunzeln, als ich mich dabei erwische, am liebsten zu Hause auf dem Sofa zu liegen. Lächerlich. Ich glaube solche Tage muss man einfach überstehen. Ich kämpfe mich 7 Stunden nach Petauke durch, gekennzeichnet durch zig kilometerlange Baustellen, Potholes und Kontrollen, die ich schon genieße, weil der Smalltalk eine willkommene Abwechslung ist. An die Menschen links und rechts der Straße habe ich mich inzwischen gewöhnt, alle machen die Straße rechtzeitig frei und ich muss ständig winken. So viele hochgereckte Daumen habe ich wohl noch nie an einem Tag gesehen. Ich fahre bis Petauke und steige in einer empfohlenen Lodge mit kleiner Campingwiese ab. Nach der Anmeldung an der Rezeption will ich zum Campingplatz fahren und mein Herz bleibt stehen: die KTM springt nicht mehr an, kein Strom im Cockpit! Scheiße! Mich durchfährt´s bis in den kleinen Zeh - was jetzt, wohin mit der Kiste, was kann es sein, wie lange muss ich hier bleiben, bis ich sie repariert bekomme? Erster Gedanke: Ankicken. Das geht auch ohne Strom. Und siehe da: beim ersten Kick läuft sie. Danach ist alles wieder in Ordnung, Strom ist wieder da und mit E-Starter funktioniert auch alles. Puhh, tief durchatmen. Trotzdem bleibt wieder ein schales Gefühl einer weiteren Fehlerquelle, die jederzeit wieder auftreten kann. Doch der Scheißtag geht weiter, als hätte ich heute einen Magneten an mir: ich baue mein Zelt auf der kleinen Wiese auf, gehe duschen und als ich wieder rauskomme, steht ein Overlander da und 11 Leute bauen rund um mein Minizelt Küche und andere Zelte auf. Voll dreist, 5 m vor meinem Zelt. Die Typen beachten mich auch überhaupt nicht, als wäre ich gar nicht da. Typisches Gruppengehabe: 10 Stunden im Bus gesessen und jetzt endlich action im vertrauten Kreis, nach Wochen Zusammensein mit immer denselben Leuten. Wahrnehmung nach außen und Rücksichtnahme gleich null. Ich kotze innerlich, baue mein Zelt wieder ab und 50 m weiter hinten wieder auf. Leider nützt das auch nichts, weil die Busreisenden den ganzen Platz beanspruchen. Also nix wie weg ins Restaurant zum Karten lesen, Route planen und Tagebuch schreiben. Scheinbar ist die Aktion zwei der Busreisenden doch unangenehm gewesen und entschuldigen sich für ihr rücksichtsloses Verhalten. Das rettet den Abend aber nicht: kein WiFi und ich kann noch nicht einmal Lian anrufen, weil ich nicht durchkomme. Ich fühle mich heute Abend einsam und wäre jetzt gerne bei meiner Familie in Swakopmund. Ich bin froh, dass ich morgen Sambia verlasse und etwas Neues auf mich wartet.


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