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Livingstone - Karibasee

11. Reisetag: 16.2.2015: Livingstone - Kariba Bush Club (320 km, davon 30 km schlechter Gravel)

Der Regen hat sich verzogen, wir starten bei Sonne. Ich freue mich wieder auf den Fahrtag und morgen wieder ohne Muezzin aufzuwachen. Wir werden jedoch am Ortsausgang von Livingstone schon gestoppt. Da hängt ein Riesenschild "SOS Kinderdorf". Das passt ja wie gerufen, ich wollte ja sowieso eins besuchen und meine Kletterwald Kulis loswerden. Wir werden von den beiden Leitern des Dorfs herumgeführt, bekommen von den Kindern ein Ständchen gesungen und sind ergriffen von der Arbeit, die hier geleistet wird. Diese Kinder hätten ohne das Dorf keine Zukunft und bekommen so ein Heim und Bildung, was hier wie überall auf der Welt existenziell wichtig ist...

Wir fahren nach dem Eintrag ins Gästebuch beschwingt weiter. Ich fühle mich beschenkt und bin beeindruckt davon, wie viel Freude und Zuversicht die kleinen Kinderaugen ausgestrahlt haben. Meine Entscheidung, die SOS Kinderdörfer zu unterstützen ist hier nochmal nachhaltig bestätigt worden. Auf der Strecke überholen wir ein neuseeländisch – amerikanisches Pärchen, das mit einer Triumph Afrika durchquert. Sie sind von Neuseeland nach Afrika gesegelt, haben das Boot verkauft und in Kapstadt ein Motorrad gekauft. Damit wollen Sie jetzt nach Europa. Man, es gibt immer noch Abenteurer. Gegen diese beiden, komme ich mir vor wie ein Pauschaltourist. Wir machen eine gemeinsame Mittagspause und es macht Spaß, sich über die Erlebnisse auszutauschen. Leider passt unsere weitere Reiseplanung zeitlich nicht zusammen, ansonsten wären wir gerne zusammen gefahren.

Irgendwann biegen wir ab auf eine kleine Straße zum Karibasee. Eine schöne Strecke: endlich wieder Hügel, kleine Dörfchen, nette Leute, die winken, begeisterte Kinder. Am Ende erwarten uns auch 30 km Gravel Road mit Baobas rechts und links der Straße. Thomas muss in einem Tiefsandstück seine BMW auf die Seite ablegen. Innerhalb von 1 Minute stürmen Massen von Kindern auf uns zu und beobachten das Schauspiel, wie 2 Weiße das Gefährt wieder hochwuchten und er aus dem Sand röhrt. Die Kinderhorde ist außer Rand und Band als ich zu meinem Motorrad zurückgehe. Aber im positiven Sinne: alle wollen einfach nur Kontakt und mir mal die Hand schütteln, sind neugierig auf den komischen Mann. Keines der Kinder bettelt und sie halten immer respektvollen Abstand. Ich habe zu keiner Zeit Sorge, dass meine Sachen geklaut werden. Einfach ein lustiges, schönes Erlebnis. Die Lodge ist sehr schön, Zebras und Impalas grasen auf dem Campingplatz neben dem Zelt, wir lernen wieder andere Langzeitreisende kennen und tauschen Erfahrungen aus. Es macht so viel aus, seine Erlebnisse auszutauschen. Ich frage mich, warum das so ist. Dieser Spruch „Geteilte Freude ist doppelte Freude“ ist so was von wahr. Aber warum eigentlich? Der Mensch ist ein Herdentier und auch wenn uns oft andere auf den Geist gehen, verhungern wir ohne Kontakt geistig. Caspar Hauser lässt grüßen. Thomas und ich haben ein wenig Wehmut, dass wir uns morgen trennen müssen.


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