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Livingstone - Victoria Falls

9. Reisetag: 14.2.2015: Livingstone, Victoria Falls

Der erste Teil des Tages beginnt um 5 Uhr mit dem Gedanken, warum es in Sambia der muslimischen Minderheit erlaubt ist, den Muezzin mit einem herrlich laut krächzendem Lautsprecher die ganze Stadt zu beschallen. Ich empfinde es als eine Unverschämtheit, dass diese Religion sich rausnimmt, allen anderen Menschen ihre belästigenden Gebräuche aufzwingen zu müssen. Ich bin wirklich kein fremdenfeindlicher Mensch, aber wenn es darum geht, den anderen ihre Freiheit zu nehmen oder Grenzen zu überschreiten, hört´s für mich auf. Sie sollen von mir aus den ganzen Tag beten, aber den Rest der Menschheit unbehelligt lassen. Zum Glück bin ich so müde, dass ich wieder einschlafe, statt mich mit dem Für und Wider der Religionsfreiheit zu beschäftigen. Der zweite Teil des Tages beginnt dann im Pool und einem Frühstück auf der Terrasse, was deutlich angenehmer ist...


Heute stehen die Fälle an, aber zuerst machen wir eine Reise in die Vergangenheit. Als alter Eisenbahnfan ist das Railway Museum ein Muss. Die alten noblen Reisewaggons und diese riesigen Eisenberge von Lokomotiven zwischen Palmen stehen zu sehen ist beeindruckend. Bei den Dampfloks kann man noch förmlich sehen, wo die Kraft entsteht, hergeleitet wird und auf die Räder übertragen wird. Alles gebändigt durch unzählige Tonnen Stahl. Ein Bild aus einer anderen Welt und doch erst 70 Jahre her.

Die gespannte Erwartung auf dem Weg zu den Fällen, die 10 km außerhalb von Livingstone liegen steigert sich immer mehr, als die Straße direkt am Zambesi vorbeiführt und das Donnern und die Gicht bereits zu sehen sind. Es zieht mich immer mehr an, je näher wir kommen. Nach dem Eingangstor läuft man dann durch einen kleinen Urwald, bis endlich der erste Blick auf die tosenden Wassermassen freigegeben wird. Es ist schlicht überwältigend. Mit jedem Viewpoint wird mir bewusster, welche Energie und welche Kraft hier am Werk ist. Ich fühle mich angesichts dieser Urgewalten klein und bedeutungslos, wie eine Fliege an der Wand. Die Gischt sprüht jetzt in der Regenzeit so weit, dass der Rundweg auf der Hälfte der Strecke einer Dauerdusche gleicht. Die Klamotten sind innerhalb von 10 Minuten klatschnass, was aber weder uns noch die anderen Besucher stört. In den Augen der anderen Menschen sieht man meist auch dieses überwältigte Leuchten in den Augen. Das Fotografieren kommt hier einem Roulettespiel gleich. Wenn mal gerade keine Windbö mit Gischt kommt, schnell ein Foto machen, dann wieder einpacken, bevor das Wasser die empfindliche Elektronik beschädigt. Aber weder ein Film, oder noch so viele Fotos können auch nur ansatzweise wiedergeben, welch gigantisches Schauspiel sich hier in jeder Sekunde abspielt. Wie muss David Livingstone empfunden haben, als er diesen Platz als erster Weißer entdeckte? Mit einfachsten Mitteln und völlig unvorbereitet? Nicht wie wir, die wir aus dem Internet und TV alles schon gesehen haben. Das muss eine magische Erfahrung gewesen sein.

Die Fälle lassen uns völlig die Zeit vergessen, sodass wir den um 16 Uhr gebuchten Motordrachenflug verpassen. Was mir ganz recht ist, weil ein Gewitter aufzieht und heftige Böen einen Flug mit einem Motordrachen nicht zu einem Vergnügen machen. Auf dem Rückweg zum Guesthouse buchen wir einen Hubschrauberflug für morgen früh und da der kurze Flug von 15 Minuten schon ausgebucht ist, bekommen wir den langen Flug für den Preis des Kurzen, nämlich für 180 €. Immer noch viel Geld, aber dass Sambia kein billiges Pflaster ist, haben wir ja jetzt schon mehrmals festgestellt. Wir fühlen uns wie die Glückskinder und das wird noch getoppt, als neben der Straße ein historischer Dampfzug zur Abfahrt bereit steht. Der fährt zum Dinner um die Fälle und sieht aus, wie aus dem Film "Out of Africa". Fehlt nur noch, dass Baronin Blixen mit Robert Redford einsteigt. Die zischende und schmauchende Lokomotive zu sehen kommt mir vor, wie die Auferstehung einer der Loks von heute Morgen. Irgendwie ist der ganze Tag vom Thema unbändige Energie gekennzeichnet. Die habe ich aber auch heute während des Tages gelassen und gehe nach dem obligatorischen Plausch mit den anderen Gästen früh an die Tasten und dann ins Bett. Hilfreich ist dabei, dass das Internet mal wieder ausgefallen ist...

Aufgefallen ist mir heute auch die Freundlichkeit der Sambianer, ich fühlte mich den ganzen Tag wohl und genoss die kurzen Begegnungen mit den Menschen hier.


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Kommentare: 2
  • #1

    Pilgrim Donatus (Samstag, 14 März 2015 12:09)

    Erfrischender Reiseblog und Deinen offenen Worten zur "Religionsfreiheit" kann ich nur zustimmen. Respekt, daß Du Dies mal offen ansprichst. Ich lebe auf Lamu, was zwar hauptsächlich muslimisch ist, doch die "Beschallung" durch diese Religion grenzt an Körperverletzung. Da gehe ich als Atheist hier sonntags gern in die Kirche, wo die christliche "Minderheit" gemeinsam singt und tanzt ohne sich Andersgläubigen aufzudrängen.

  • #2

    Bernd Knopp (Samstag, 14 März 2015 14:23)

    Hallo Pilgrim Donatus,
    Danke dir für deinen Kommentar und schöne Grüße nach Lamu. (wäre auch mal ein lohnendes Reiseziel...) :-)

    Beste Grüße!